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Nachwuchsgewinnung im ÖGD gelingt nur mit Arzt-Tarifvertrag

Gemeinsame Pressemitteilung
Berlin, 13. Juli 2021

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Offener Brief von Marburger Bund und BVÖGD an Finanzministerkonferenz und Gesundheitsministerkonferenz.

Das Investitionsprogramm von Bund und Ländern für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) droht weitgehend ins Leere zu laufen, wenn der fachärztliche Nachwuchs keine Perspektive in den Gesundheitsämtern findet, warnen der Marburger Bund und der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) in einem Offenen Brief an die Finanzministerkonferenz (FMK) und die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) der Länder.

Die dringend benötigte Nachwuchsgewinnung werde nur dadurch zu erreichen sein, dass die Ärztinnen und Arzte im ÖGD durch einen arztspezifischen Tarifvertrag mit ihren Kolleginnen und Kollegen in den kommunalen Krankenhäusern und im Medizinischen Dienst der Krankenversicherung gleichstellt werden.

Für den im September 2020 von Bund und Ländern beschlossenen „Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst“ beginnt aktuell die Phase seiner konkreten Umsetzung. Ein Schwerpunkt des Investitionsprogramms liegt auf einer verbesserten Personalgewinnung. Durch den Pakt sollen Anreize für eine Tätigkeit im ÖGD über „tarifrechtliche Regelungen“ geschaffen werden. Um dieses Ziel zu erreichen, bedarf es vor allem einer besseren Bezahlung des Personals. Fachärztinnen und Fachärzte im ÖGD verdienen derzeit rund 1.500 Euro pro Monat weniger als beispielsweise Klinikärztinnen und -ärzte.

„Es hilft nichts, Stellen auszuschreiben, wenn sich darauf niemand bewirbt“, sagte Dr. Susanne Johna, 1. Vorsitzende des Marburger Bundes. Und Dr. Ute Teichert, Vorsitzende des BVÖGD, bekräftigt: „Ein eigener Tarifvertrag für die Fachärztinnen und Fachärzte im ÖGD ist Grundvoraussetzung für die Nachwuchsgewinnung und der wichtigste Faktor zur Steigerung der Attraktivität des ÖGD.“

Die politische Unterstützung für einen arztspezifischen Tarifvertrag kann dabei helfen, die derzeitige Blockade aufzubrechen, für die allein die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) verantwortlich ist. „Ohne die Verbindlichkeit von konkurrenzfähigen Tarifverträgen werden Arztstellen im ÖGD auf Dauer nicht nachbesetzt werden können und zukünftige Krisen dadurch noch schwerer zu bewältigen sein“, mahnen Marburger Bund und BVÖGD.