Die wichtige Rolle der Gesundheitsämter bei der Prävention sexuell übertragbarer Infektionen
Berlin, 20.10.2026
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Berlin – Viele Menschen in Deutschland wissen nur wenig über sexuell übertragbare Infektionen (STI). Besonders bei jüngeren Menschen bestehen erhebliche Informationsdefizite. Das zeigt eine Untersuchung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), die jetzt im Fachjournal Public Health Forum erschienen ist (1). Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) weist daher auf die wichtige Rolle der Gesundheitsämter bei der Prävention, Aufklärung und Früherkennung sexuell übertragbarer Infektionen hin.
Für die Untersuchung wurden insgesamt 4.640 Menschen ab 16 Jahren befragt. Lediglich 33 Prozent fühlten sich über andere sexuell übertragbare Infektionen als HIV/AIDS gut oder sehr gut informiert. Bei den 16- bis 25-Jährigen waren es sogar nur 18 Prozent. Zudem konnten 49 Prozent der Befragten spontan keine Symptome einer STI nennen, weitere neun Prozent machten dazu keine Angaben. Insgesamt 85 Prozent hielten es für unwahrscheinlich, sich künftig mit einer STI anzustecken.
„Die Ergebnisse zeigen, dass bei der Aufklärung über sexuell übertragbare Infektionen noch erheblicher Handlungsbedarf besteht. Gerade hier leisten die Gesundheitsämter einen wichtigen Beitrag. Sie bieten Menschen unabhängig von ihrer Lebenssituation eine vertrauensvolle und auf Wunsch anonyme Beratung. Entscheidend ist, dass wir auch diejenigen erreichen, die aus Scham, Unsicherheit oder anderen Gründen keine ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen. Niedrigschwellige Angebote, persönliche Beratung und gezielte Aufklärung sind deshalb unverzichtbare Bestandteile der Präventionsarbeit“, erklärt Dr. Peter Schäfer, Vorsitzender des BVÖGD.
Zur Arbeit des ÖGD gehört auch die zielgruppengerechte Gesundheitsaufklärung. Fachkräfte der Gesundheitsämter beteiligen sich unter anderem an sexualpädagogischen Angeboten in Schulen und entwickeln Präventionsmaßnahmen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen. Besondere Bedeutung kommt dabei einer wertschätzenden, diskriminierungsfreien Beratung zu, die unterschiedliche Lebenssituationen und Bedürfnisse berücksichtigt.
Dabei arbeiten Gesundheitsämter mit ärztlichen Praxen, Aidshilfen und anderen Beratungsstellen zusammen, um Prävention, Früherkennung und die Vermittlung in medizinische Versorgung miteinander zu verbinden.
(1) Gerlich, M. G., Bosle, C., Halbach, S. und von Rüden, U.: Bekanntheit von sexuell übertragbaren Infektionen in Deutschland. Public Health Forum 2026; 34(3): 162–168. DOI: 10.1515/pubhef-2026-0064.