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BVÖGD ehrt Dr. Johannes Donhauser mit der Johann-Peter-Frank-Medaille

Schonungslose Aufarbeitung der Nazi-Zeit: Fragwürdige Rolle des öffentlichen Gesundheitswesens 1933-1945 

Dr. med. Johannes Donhauser erhält die Johann-Peter-Frank-Medaille

Dr. Johannes Donhauser, Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen und stellvertretender Amtsleiter des Gesundheitsamtes Neuburg-Schrobenhausen in Bayern, wird für seine besonderen Verdienste um das öffentliche Gesundheitswesen mit der Johann-Peter-Frank-Medaille ausgezeichnet.

Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) überreicht diesen Ehrenpreis am 26. April 2018 auf seinem 68. wissenschaftlichen Kongress in Osnabrück. Der ehemalige stellvertretende Bundesvorsitzende, Dr. Thomas Menn, bezeichnet den Preisträger in seiner Laudatio als „nahezu einzigen Protagonisten für die Aufarbeitung der Tätigkeiten des öffentlichen Gesundheitsdienstes zur Zeit des Nationalsozialismus in den Jahren 1933-1945“ und betont dessen exzellente Kenntnis über die Rolle handelnder Personen aus dieser Zeit im westlichen Nachkriegsdeutschland bis in die frühen 1960-er Jahre. Dr. Donhauser setzt sich seit mehr als 20 Jahren dafür ein, die Rolle des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) in der Zeit des Nationalsozialismus aufzuklären. Er hält hierzu Veröffentlichungen und Vorträge; das vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) mit mehr 120.000 € finanzierte Forschungsprojekt über die Rolle des öffentlichen Gesundheitsdienstes im nationalsozialistischen Deutschland wurde von ihm wesentlich mitgestaltet und begleitet.

Gleich zu Beginn seiner Tätigkeit im öffentlichen Gesundheitsdienst des Freistaates Bayern begann Donhauser mit seinen Recherchen zur Umsetzung der sogenannten Erbgesundheitspflege und den rassehygienischen Ideologien der Nationalsozialisten durch die Gesundheitsämter und die dort tätigen Amtsärzte. Donhauser stellte fest, dass bis Mitte der 1990-er Jahre die Rolle des öffentlichen Gesundheitsdienstes unter der nationalsozialistischen Gesetzgebung nur bruchstückhaft aufgearbeitet worden war. Die amtsärztliche Zustimmung zu Zwangssterilisationen und später in den frühen 1940-er Jahren zur Kinder-Euthanasie wurde durch die Gesundheitsämter als zuständige Behörde in den damals geltenden formalen rechtlichen Rahmen gestellt. Donhauser stellte anhand noch vorhandener Archiv-Akten fest, wie Ärzte sich damals der Ideologie der Rassenhygiene und Erbgesundheitspflege anpassten und die menschenverachtenden Vorgaben der damaligen Ideologie im Sinne des Staates umsetzten.
Er konstatierte, dass auch nach 1945 bis in die frühen 1960-er Jahre eine Reihe von Ärzten, die die nationalsozialistische Ideologie unterstützt hatten, in Bereichen des öffentlichen Gesundheitswesens führende Positionen einnahmen und sogar teilweise versuchten ihre Vorstellungen in der jungen Bundesrepublik Deutschland umzusetzen. 2007 veröffentlichte der Thieme Verlag in der Fachzeitschrift „Das öffentliche Gesundheitswesen“ ein Sonderheft mit den Forschungsergebnissen von Donhauser zur Rolle der Gesundheitsämter in den Jahren 1933-1945. Diese ehrenamtlichen, außerhalb seiner eigentlichen beruflichen Tätigkeit durchgeführten Forschungen haben in den vergangenen 20 Jahren eine kritische Auseinandersetzung damit erlaubt, wie der öffentliche Gesundheitsdienst sich dem Nationalsozialismus angepasst hat.
Donhauser betont in seinen Veröffentlichungen und Vorträgen an wissenschaftlichen Institutionen nachdrücklich, dass sich der öffentliche Gesundheitsdienst mit seinen handelnden Personen stets seiner verantwortungsvollen Rolle als staatliche Behörde gegenüber den Menschen bewusst sein muss.

Mit der Johann-Peter-Frank-Medaille, der höchsten Auszeichnung, die der BVÖGD zu vergeben hat, werden jährlich anlässlich des wissenschaftlichen Kongresses des Verbands wichtige Persönlichkeiten für das öffentliche Gesundheitswesen ausgezeichnet. Der Namensgeber der Auszeichnung, Johann Peter Frank, 1745 im pfälzischen Rodalben geboren, gilt als Begründer der öffentlichen Hygiene und als Wegbereiter eines sozialmedizinisch geprägten öffentlichen Gesundheitsdienstes. Die gleichnamige Gesellschaft unterhält zu seinen Ehren das Johann Peter-Frank-Museum am Geburtsort. Der BVÖGD vertritt als berufspolitische Organisation bundesweit die fachlichen und gewerkschaftlichen Interessen aller im öffentlichen Gesundheitsdienst tätigen Ärztinnen und Ärzte.

Interviews, Film- und Fotomöglichkeiten auf Anfrage unter http://www.bvoegd.de

Postanschrift:
Bundesgeschäftsstelle Dr. Claudia Kaufhold Geschäftsführerin
Manfred-von-Richthofen-Str. 1912101 Berlin, Mail: claudia.kaufhold@bvoegd.de

Pressemitteilung Dr. Johannes Donhauser erhält Johann Peter Frank Medaille