Bundeskongress 2017: „Gesundheit für Alle“
Antibiotikaresistenzen, Impfen, Epidemien – Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst haben viele Aufgaben. Sie drängen auf mehr Stellen.
MÜNCHEN. Egal ob beim Ausbau des Impfschutzes oder im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen – der alte WHO-Leitgedanke „Gesundheit für Alle“ ist aktueller denn je. Das betonte Dr. Andreas Zapf, Präsident des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), beim Kongress des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD).
Allerdings kämpft der ÖGD auch mit anhaltenden Problemen. So kritisierte die BVÖGD-Vorsitzende Dr. Ute Teichert den wachsenden Personal- und Stellenmangel. Sie verwies auf das Beispiel Berlin, dort waren zuletzt von 315 Stellen 43 unbesetzt. Nach Angaben des Verbands komme der ÖGD bei Krisen – wie bei EHEC-, Vogel- oder Schweinegrippeausbrüchen – schnell an seine Kapazitätsgrenzen.
Aber auch alltägliche Aufgaben wie Impfberatung, Impfschutz bei Kindern, Unterbringung von psychisch Kranken oder die Sicherstellung der Trinkwasserüberwachung könnten nicht mehr überall zureichend bewältigt werden.
Impfberatung oder Gutachtenerstellung an Hausärzte weiterzugeben, wie es inzwischen teilweise geschehe, sei keine dauerhafte Lösung. Es träfen immer öfter Beschwerden von niedergelassenen Ärzten ein, die über die zeitliche Belastung klagten. Teichert lobte, dass sich die Gesundheitsminister aller Bundesländer jüngst für Verbesserungen bei Gesundheitsämtern ausgesprochen hätten. „Es gilt, das jetzt in die Praxis umzusetzen“, forderte sie.
Dass in Bayern auf Bestreben des des bayerischen Gesundheitsministeriums im vergangenen Jahr 94 neue Arztstellen im ÖGD etabliert wurden, sei ein richtiger Schritt. Damit gibt es bayernweit nach Angaben des Ministeriums rund 400 Ärzte im ÖGD– bundesweit sind es rund 2500.
Zudem haben das LGL und die Ludwig-Maximilians-Universität drei Brückenprofessuren für das Fachgebiet Öffentliches Gesundheitswesen eingerichtet. Einen eigenen Lehrstuhl gebe es bisher bundesweit nicht, kritisierte Teichert. Im Medizinstudium fehle es an Möglichkeiten, das Aufgabenfeld kennenzulernen. Es müsse mehr Angebote wie in Frankfurt am Main geben, wo Studierende beim Gesundheitsamt einen Teil ihres Praktischen Jahres absolvieren können.
Ähnlich äußerte sich Professor Caroline Herr, Präsidentin der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP), für ihr Fachgebiet. Zwar gebe es bundesweit einige Lehrstühle für Hygiene, aber keinen in Bayern. Die vorhandenen Institute seien oft einseitig auf klinische Themen festgelegt. Umwelteinflüsse, wie beispielsweise die Gesundheitsfolgen technischer Innovation, würden bisher kaum berücksichtigt. (cmb)
Quelle: Ärztezeitung vom 10.05.2017 – Von Christina Bauer
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Spandau. Laut Senatsgesundheitsverwaltung ist der Personalmangel in den Gesundheitsämtern besonders gravierend.
In Spandau fehlen sieben Ärzte – so viele wie seit Jahren nicht.
Berlins Gesundheitsämtern mangelt es an Ärzten. Laut Senatsgesundheitsverwaltung sind derzeit 43 von 315 Planstellen unbesetzt. In Spandau ist die Zahl der vakanten Stellen besonders hoch. Sieben sind hier momentan unbesetzt. Dem Gesundheitsamt fehlen unter anderem drei Kinderärzte, ein Impfarzt sowie ein Kinder- und Jugendpsychiater.Damit habe sich in Spandau die Situation dramatisch zugespitzt, bestätigt Gudrun Widders. Die Jahre zuvor seien drei bis fünf Stellen unbesetzt gewesen. Gudrun Widders ist die Vize-Vorsitzende des Landesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes der Länder Brandenburg und Berlin und Spandaus Amtsärztin.
Das Land muss die Bezahlung der Fachärzte deutlich verbessern
Die Folgen des Personalmangels sind fast überall spürbar. Eltern müssen längere Wartezeiten in Kauf nehmen, etwa beim Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst. Mitarbeiter sind überlastet, haben weniger Zeit, müssen aber mehr Familien betreuen. Bestimmte Aufgaben kann das Gesundheitsamt teilweise nicht in vollem Umfang erfüllen. Dazu gehören die Überprüfung des Impfschutzes von Kita-Kindern oder der Hygienevorschriften in Kliniken und Praxen, Kosmetiksalons oder Tattoo-Studios. Gründe für die Personalnot sind der altersbedingte Weggang, zu wenige Bewerber und konkurrierende Bezirke, die ebenfalls händeringend suchen. Wesentlich aber ist die schlechtere Bezahlung im öffentlichen Gesundheitsdienst. „Mit Klinikärzten können wir nicht konkurrieren“, sagt Gudrun Widders. So verdiene ein Facharzt im Gesundheitsamt 1000 bis 1500 Euro weniger als sein Kollege in der Uniklinik. Widders ist sich mit Gesundheitsstadtrat Frank Bewig (CDU) einig: „Das Land muss die Tarife anpassen, damit der öffentliche Gesundheitsdienst attraktiver wird.“ Die Gesundheitsverwaltung will bei den kommenden Haushaltsverhandlungen Verbesserungen durchsetzen. uk
Quelle: Berliner Woche vom 22.04.2019
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Die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Thüringen hat Land und Kommunen aufgefordert, den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) zu stärken.
Die KV warnte, vielerorts seien Gesundheitsämter nur noch eine „formale Hülle mit wenigen Verwaltungsmitarbeitern“. Land und Kommunen suchten mittlerweile für einzelne Aufgaben des ÖGD sogar nach Vertretungsärzten. „Wenn wir auf Dauer die ärztlichen Aufgaben des Öffentlichen Gesundheitsdienstes miterledigen müssen, geht das am Ende zulasten unserer eigentlichen Aufgabe, der Versorgung der gesetzlich versicherten Patienten in Thüringen“, warnte die erste Vorsitzende der KV Thüringen, Dr. med. Annette Rommel. Sie appellierte an Land und Kommunen, den ÖGD „personell, finanziell und materiell so auszustatten, dass er seine Aufgaben wieder selbst erledigen kann.“
Erst Anfang des Jahres hatte die Landesregierung in Thüringen angekündigt, den Kommunen bei der Besetzung offener Amtsarztstellen und der Qualifizierung von Ärzten zu helfen. Die Bezahlung von Amtsärzten sei aber letztlich eine Sache von Tarifverhandlungen. Bereits 2014 auf dem Deutschen Ärztetag war vor einem Ausbluten des ÖGD gewarnt worden.
Quelle: hit/ Deutsches Ärzteblatt – Dtsch Arztebl 2017; 114(15) (14.04.2017)
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Hinweis zur Sendung des MDR: Bei über 18.000 Deutschen wurde dieses Jahr Grippe diagnostiziert. Kliniken sind überlastet, öffentliche Einrichtungen wie Banken und Ämter müssen tageweise schließen. Aber auch Masern und TBC breiten sich wieder aus.
Thema: Grippe, Masern, TBC – Die unterschätzte Gefahr
Die Grippe wütet in Deutschland. Dieses Mal mit Zehntausenden Erkrankten so heftig, dass das öffentliche Leben davon beeinträchtigt ist. Krankenhäuser sind überlastet, sodass OPs verschoben werden müssen, der Nahverkehr läuft eingeschränkt und öffentliche Einrichtungen wie Arbeitsämter und Banken müssen tageweise schließen. Wie konnte sich die Grippe trotz vorhandener Impfung so stark ausbreiten?
Aber nicht nur sie ist auf dem Vormarsch. Eigentlich als „besiegt“ geltende Infektionskrankheiten wie Masern, Keuchhusten und TBC sind in unseren Breiten wieder angekommen. Wie konnte das passieren? Fachleute warnen, dass unser Gesundheitssystem nicht ausreichend auf den Ernstfall vorbereitet ist. Es sei nur eine Frage der Zeit ist, bis wir von größeren Seuchen heimgesucht werden. Bei Ebola und EHEC war es demnach eher Glück, dass es uns nicht schlimmer getroffen hat.
Welche Bedrohungen bestehen aktuell? Wo gibt es Defizite in der staatlichen Vorsorge und Betreuung? Und was kann der Einzelne selbst tun, um sich zu schützen?
Am Montag ab 22:05 Uhr diskutieren im MDR u.a. die Bundesvorsitzende des BVÖGD, Frau Dr. Ute Teichert in der Sendung „Fakt ist!“
Ute Teichert:
„Wir sparen seit langem am öffentlichen Gesundheitsdienst. Da brauchen wir uns nicht wundern, wenn im Notfall unser System nicht funktioniert.“
Die Sendung in der Mediathek.
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Hygiene ist eine der wichtigen Aufgaben für Praxen und Kliniken.
Neben vielen anderen Hilfestellungen ist auch das Gesundheitsamt ein Partner auf Weg zu guten Lösungen. Denn nicht nur die Überwachung gehört zu den Aufgaben. Das Ziel eine gute Hygiene zu erreichen ist ein gemeinsames.
„Hygienemängel sind vermeidbar. Inzwischen gibt es zahlreiche Praxisleitfäden und Empfehlungen, die die immer höher werdenden Anforderungen bewältigen helfen.
Ein Medizinthriller „Keimzeit“ wird soeben gedreht, das Suchwort „Hygieneskandal“ ergoogelt auf Anhieb knapp 9 000 Einträge. Die ersten Treffer handeln stets von Hygienemängeln medizinischer Einrichtungen. Die Öffentlichkeit ist infolge zahlreicher Medienberichte alarmiert. So sehr, dass laut einer aktuellen Befragung repräsentativer Personen aus der Allgemeinbevölkerung nur noch 2,7 Prozent angeben, definitiv keine Angst vor Krankenhauskeimen zu haben.
Klinikkeime und Nagellack
Nicht nur deswegen steht derzeit das Hygienemanagement auf der Agenda von Kliniken und Praxen weit oben. Dreh- und Angelpunkt hierfür sind die regelmäßig aktualisierten Leitlinien der „Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention“ – KRINKO –, die am Robert Koch-Institut angesiedelt ist (2). Sie setzen die Standards zur Prävention nosokomialer Infektionen und für den Umgang mit Medizinprodukten. Sie geben Hinweise zu baulichen und organisatorischen Maßnahmen für eine bessere Hygiene, aber auch zu korrekter Kleidung – bis hin zur Länge der Fingernägel und der Verwendung von Nagellack. Die jüngste Publikation von gut 30 Seiten zur Händehygiene belegt, dass man selbst bei den Basics immer noch dazulernen kann.
Die Empfehlungen der KRINKO gelten nicht nur für Kliniken, sondern auch für Arztpraxen, Dialysezentren, Einrichtungen für ambulantes Operieren, Rehazentren und Pflegeheime. Für niedergelassene Ärzte hält zudem das Kompetenzzentrum Hygiene und Medizinprodukte der KVen und der KBV-Hygieneberater und eine Fülle von Informationen bereit: von Hygiene-Leitfäden über Fragebogentests, um den Hygienestatus der eigenen Praxis zu evaluieren, bis hin zu Videos über eine Begehung durch das Gesundheitsamt.
…
Quelle: Hygiene: Guter Rat ist nicht immer teuer -^ Dtsch Arztebl 2017; 114(3)
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Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte wünscht allen ein frohes und gesegnetes Weihnachten sowie alles Gute im Neuen Jahr, Gesundheit und Glück.
Der BVÖGD verschickt in diesem Jahr keine Weihnachtskarten sondern spendet an Ärzte ohne Grenzen.
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Es ist acht Uhr morgens und der Medizinstudent Tim Söhnlein betritt das erste Mal in seinem Leben ein Gesundheitsamt. Zu seinem Studium an der Universität in Leipzig gehört auch ein eintägiges, obligatorisches Praktikum zur Erkundung von Berufsmöglichkeiten für Mediziner außerhalb der traditionellen Gebiete wie Praxis oder Krankenhaus.
In den zurückliegenden Semesterferien war der Student aus Westhausen mit der Bitte um einen Praktikumsplatz an den Dezernenten des Gesundheitsamts des Ostalbkreises, Dr. Klaus Walter, herangetreten. Gerne war dieser bereit, in den von der Universität festgesetzten fünf Praktikumsstunden Tim Söhnlein interessante Einblicke in die umfangreichen Aufgabengebiete eines Gesundheitsamtes zu ermöglichen. So wurde der Famulus von ihm in den Räumen des Geschäftsbereichs Gesundheit des Landratsamts in Aalen freundlich begrüßt und bei einem ersten Rundgang den Kollegen vorgestellt. Ein perfekt eingerichteter Zeitplan ermöglichte es dem Studenten, an einem Vormittag in alle drei Abteilungen des Amts hinein zu schnuppern. So durfte er zu Beginn bei der ärztlichen Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz für eine Förderschulgruppe anwesend sein. Dann hospitierte der Praktikant beim amtsärztlichen Dienst, der sich an diesem Vormittag unter anderem mit einem Formulargutachten auf gesetzlicher Grundlage beschäftigte, bei dem es in einem persönlichen Gespräch um die Abklärung einer Behinderung ging. Der Bereich Jugend- und Zahngesundheit ermöglichte dem Famulus anschließend erste Einblicke in die Vorgehensweise der Einschulungsuntersuchungen. Seit 2015 fällt auch die erste ärztliche Inaugenscheinnahme von Flüchtlingen in der LEA in die Zuständigkeit des Gesundheitsamts. Eine Amtsärztin fuhr mit Tim Söhnlein zu einem Termin nach Ellwangen. Dort wurde ihm der Ablauf der ärztlichen Untersuchungen sowie die Röntgenabteilung erklärt. Ein begleiteter Rundgang über das Gelände der Landeserstaufnahmestelle rundete das Bild ab.
Rückblickend erinnert sich Tim Söhnlein an sein großes Erstaunen über die unglaubliche Menge von ärztlichen Aufgaben, die ein Gesundheitsamt abdecken muss. Zudem hat ihn das gute und konzentrierte Arbeitsklima unter den Kollegen des Gesundheitsamts beeindruckt. Er selbst sieht sich als Arzt eher im Tätigkeitsfeld eines Krankenhauses, möchte aber nach seinen rundum positiven Praktikumserfahrungen für die Zukunft auch den „Arbeitsplatz Gesundheitsamt“ nicht gänzlich ausschließen.
Quelle: Focus
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Ärzte gesucht – Gesundheitsministerin Huml wirbt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst – 94 neue Arztstellen im Freistaat vor dem Hintergrund der hohen Flüchtlingszahl geschaffen
Bayerns Gesundheitsministerin und Ärztin Melanie Huml schafft vor dem Hintergrund der hohen Flüchtlingszahl 94 neue Arztstellen im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD). Huml betonte am Sonntag: „Wir brauchen mehr Mediziner im Staatsdienst. Für den ÖGD suchen wir deshalb weitere Kolleginnen und Kollegen.“
Die Ministerin fügte hinzu: „Das Stellenprogramm für den Öffentlichen Gesundheitsdienst stößt bereits auf großes Interesse. Bewerbungen sind aber auch jetzt noch möglich. Deshalb: Scheuen Sie sich nicht und bewerben Sie sich – der Öffentliche Dienst ist ein hervorragender Arbeitgeber!“
Für Ärztinnen und Ärzte bietet der ÖGD neben den Gesundheitsuntersuchungen von Asylsuchenden ein interessantes und breites Betätigungsfeld in Infektionsschutz, Hygiene, Umweltmedizin, Begutachtung, Prävention und Schulärztlichem Dienst. Gerade in den vergangenen Monaten war der Öffentliche Gesundheitsdienst stark gefordert.
Huml unterstrich: „Die große Zahl an Flüchtlingen ist für die Gesundheitsämter vor Ort eine Mammutaufgabe. Bayernweit finden tausende Gesundheitsuntersuchungen sowie Impfungen statt. Ich möchte mich daher bei den Kolleginnen und Kollegen in den Gesundheitsämtern sehr herzlich bedanken – Sie haben in den vergangenen Wochen Großartiges im Sinne der Humanität geleistet!“
In den vergangenen Wochen hatten zudem niedergelassene Ärzte und Krankenhausmediziner den Öffentlichen Gesundheitsdienst unterstützt. Bayerische Vorgaben zum Asylverfahren sehen innerhalb von drei Tagen nach Registrierung der Flüchtlinge eine umfassende Untersuchung in den Erstaufnahmeeinrichtungen vor.
Huml betonte: „Der Gesundheitsschutz der Menschen in Bayern hat einen besonderen Stellenwert. Deshalb müssen vor allem übertragbare Krankheiten wie etwa Tuberkulose schnellstmöglich ausgeschlossen, behandelt und wichtige Impfungen veranlasst werden.“
Derzeit arbeiten im Öffentlichen Gesundheitsdienst rund 300 Medizinerinnen und Mediziner. Die 94 zusätzlichen Stellen wurden im Nachtragshaushalt vom Landtag genehmigt und stehen damit zum Jahreswechsel zur Verfügung. Die Bewerbungen nehmen die sieben Bezirksregierungen entgegen. Hier gibt es auch weitere Informationen.
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In Rostock wurde der 65. Wissenschaftliche Kongress der Bundesverbände der Ärztinnen und Ärzte sowie der Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes eröffnet.
Vom 23. bis 25. April 2015 trafen sich mehr als 700 Kongressteilnehmer aus dem In- und Ausland in der Hansestadt, um über aktuelle Themen und Herausforderungen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) zu diskutieren.
Bei der Eröffnungsveranstaltung, bei der Vertreterinnen und Vertreter des Bundesministeriums für Gesundheit, des Ministeriums für Arbeit, Gleichstellung und Soziales des Landes Mecklenburg-Vorpommern, der Ärzte- und Zahnärzteschaft sowie der Rostocker Oberbürgermeister Roland Methling Grußworte an die Teilnehmer richteten, standen die Herausforderungen und der Nachwuchsmangel im öffentlichen Gesundheitsdienst im Vordergrund. Diesem Nachwuchsmangel will der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (BVÖGD) mit einer besseren Vergütung der Ärztinnen und Ärzte in den Gesundheitsämtern und mit einer breit angelegten Imagekampagne begegnen.
Nachwuchsmangel an den Gesundheitsämtern – ÖGD in der Generationenfalle
Die Vorsitzende des BVÖGD, Dr. Ute Teichert, verwies in ihrer Eröffnungsrede auf den seit Jahren zunehmenden Ärztemangel im ÖGD und die sinkende personelle Ausstattung der Gesundheitsämter: „Die schwierige Personalsituation lässt sich auch aus der Mitte April veröffentlichten jüngsten Statistik der Bundesärztekammer ableiten“, betonte Teichert. Während sich die Zahl der berufstätigen Ärzte insgesamt in den Jahren von 2000 bis 2014 um 24 Prozent erhöht hat, ist die Zahl der berufstätigen Fachärztinnen und Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen um über 22 Prozent zurückgegangen. „Die Ärzteschaft im ÖGD hat ein massives Generationenproblem“, betonte Teichert. „Es gibt heute schon mehr ÖGD-Ärztinnen und -Ärzte, die nicht berufstätig sind, als Kolleginnen und Kollegen im aktiven Dienst. Und bei den berufstätigen Fachärzten für Öffentliches Gesundheitswesen kommen auf 1 aktiven Kollegen unter 50 Jahren rund 6 Ärzte, die bereits älter als 50 Jahre sind. Es gibt nur wenig Nachwuchs und spätestens in 10 Jahren werden die meisten der heute noch Aktiven in den Ruhestand gehen“.
Kommunale Arbeitgeberverbände blockieren notwendige Verbesserungen
Die BVÖGD-Vorsitzende begrüßte die Unterstützung durch die Gesundheitsministerkonferenz der Länder und durch den Deutschen Ärztetag, die sich 2014 ausdrücklich für eine Stärkung des ÖGD ausgesprochen hatten. Sie kritisierte jedoch massiv die Blockadehaltung der Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA): „Bei der VKA stoßen wir seit Jahren auf taube Ohren und rennen gegen Wände. Trotz aller Appelle der Gesundheitspolitik verweigert die VKA eine angemessene Vergütung der Ärztinnen und Ärzte des ÖGD im Rahmen der Tarifverhandlungen. Mit dieser Verweigerungshaltung trägt die VKA einen großen Teil dazu bei, dass der ÖGD bei ständig sinkenden personellen Ressourcen seine Aufgaben nicht mehr adäquat erfüllen kann.“
Der Rostocker Kongress bildet den Auftakt für eine bundesweite Imagekampagne des Berufsverbandes: „Wir wollen nicht abwarten, bis es zu spät ist und in einigen Jahren der jüngste der hier Anwesenden im ÖGD das Licht ausmacht. Viele von uns haben sich für die Arbeit im ÖGD entschieden, weil sie die vielfältigen täglichen fachlichen Herausforderungen und unseren bevölkerungsmedizinischen Auftrag ernstnehmen. Deshalb haben wir uns entschlossenen, das vielseitige Arbeitsfeld des ÖGD im Rahmen einer bundesweit angelegten Imagekampagne bekannt zu machen“, so Teichert.
Der BVÖGD stellte in Rostock eine Informationsbroschüre mit dem Titel „Mitten im Leben – Arbeiten im Öffentlichen Gesundheitsdienst“ vor. In der Broschüre berichten neun Kolleginnen und Kollegen stellvertretend für die rund 2.500 Ärztinnen und Ärzte zwischen München und Kiel über ihre Arbeit im ÖGD. Sie geben einen Überblick über ihre Arbeitsschwerpunkte und ihren Arbeitsalltag. Sie berichten darüber, was sie motiviert hat, den ÖGD als berufliche Alternative zur Arbeit in der Praxis, der Klinik oder der Wissenschaft auszuwählen. Und sie schildern auch, wie sich in ihrem persönlichen und beruflichen Umfeld Familie und Beruf miteinander verbinden lassen. Die Frauen und Männer, die in der Broschüre zu Wort kommen, geben dem ÖGD ein Gesicht. Sie sind auf den unterschiedlichsten Wegen im ÖGD angekommen und sie alle kommen zu dem Schluss: Es war die richtige Entscheidung.
Die Broschüre wird aus Mitteln des Bundesministeriums für Gesundheit finanziert und wurde in einer Auflage von 10.000 Exemplaren gedruckt. Zu den Zielen und Inhalten der Imagekampagne erklärte die BVÖGD-Vorsitzende: „Wir wollen mit unserer Imagekampagne dem weit verbreiteten Vorurteil entgegenwirken, der ÖGD fände weitgehend in verstaubten Amtsstuben statt und beschränke sich auf Routinearbeit, Wir möchten vor allem angehenden Medizinerinnen und Medizinern Lust machen auf ein spannendes und abwechslungsreiches Tätigkeitsfeld. Und wir wollen Kolleginnen und Kollegen, die eine Alternative zur Tätigkeit im Krankenhaus oder zur Niederlassung suchen, deutlich machen, dass der ÖGD als dritte Säule des Gesundheitswesens auch Vorteile mit sich bringt – etwa bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Unsere Imagekampagne und die klare Forderung nach Verbesserung der finanziellen Rahmenbedingungen sind zwei Seiten einer Medaille, die dazu beitragen, den ÖGD attraktiver zu machen und zukunftssicher zu gestalten.“
Weitere Themenschwerpunkte des Kongresses
Zur gesundheitlichen Versorgung von Migrantinnen und Migranten referierte Prof. Dr. Lothar Wieler, der neue Präsident des Robert Koch-Instituts, und legte dabei die aktuellen infektionsepidemiologischen Aspekte der Zuwanderung dar.
Die neue Leiterin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Dr. Heidrun Thaiss, beleuchtete die Rolle des ÖGD bei Gesundheitsförderung und Prävention.
Das Thema Energiewende und Gesundheit spielte wird in mehreren Vorträgen am Freitag eine zentrale Rolle.
Frau Prof. Schleiermacher von der Berliner Charité beschäftigte sich mit der Rolle des ÖGD im Nationalsozialismus. Dieses Thema ist Gegenstand eines laufenden Forschungsprojekts des BVÖGD, das im Mittelpunkt des nächsten wissenschaftlichen Kongresses stehen wird, der 2016 in Reutlingen stattfindet.
Darüber hinaus rundeten zahlreiche Workshops und Fachseminare sowie die Verleihung der Johann-Peter-Franck-Medaille, die der BVÖGD in diesem Jahr in Erinnerung an den Begründer des Öffentlichen Gesundheitsdienstes verleiht, das attraktive Programm des Kongresses ab.
(23.04.2015)
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Auf einer Podiumsdiskussion beim Internationalen EHEC-HUS-Symposion im September 2011 in Berlin bezog Frau Dr. Teichert-Barthel, die Vorsitzende des BVÖGD klar Position.
Die Podiumsdiskussion zum Thema „Schweingrippe H1N1, EHEC O 134 , sind wir in Zukunft besser vorbereitet?“ anlässlich der 3. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie am 10. September 2011 in Berlin erörterten Gesundheitspolitiker, Kliniker und Vertreter des ÖGD den Verlauf und mögliche Konsequenzen der im EHEC-Epidemie in Deutschland im Sommer 2011.
Im Rahmen der Diskussion, an der Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP), der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Prof. Dr. Karl Lauterbach, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie, Prof. Dr. Reinhard Brunkhorst, der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Prof. Dr. Reinhard Burger, der Ärztliche Direktor der Charité, Prof. Dr. Ulrich Frei, teilnahmen, erläuterte Dr. Ute Teichert-Barthel die zentrale Bedeutung der Gesundheitsämter bei der Bewältigung der EHEC-Krise. Sie nutzte die Gelegenheit, um Missverständnisse über verzögerte Meldungen des Krankheitsgeschehens durch die Gesundheitsämter bei den Politikern und in der Öffentlichkeit klarzustellen und bot die Mitarbeit des BVÖGD bei der gesundheitspolitischen Aufarbeitung der EHEC-Krise an.
„Wir können aus dieser Epidemie viel lernen“, so Teichert-Barthel. „Eine Zentralisierung des Meldewesens ist mit Sicherheit die falsche Antwort. Der BVÖGD steht vielmehr für die verstärkte Kooperation zwischen allen Ebenen des öffentlichen Gesundheitsdienstes in Bund, Ländern und Gemeinden.“
Den Film-Mitschnitt zur Diskussion können Sie sich hier ansehen: www.dgfn.eu
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