BVÖGD lehnt Registrierung von Menschen mit psychischen Erkrankungen ab
Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) spricht sich entschieden gegen den Vorschlag aus, Menschen mit psychischen Erkrankungen in einem sogenannten Gefährderregister zu erfassen.
„Menschen mit psychischen Erkrankungen pauschal als gefährlich zu stigmatisieren, ist nicht nur fachlich falsch, sondern auch zutiefst diskriminierend“, erklärte Dr. Kristina Böhm, Vorsitzende des BVÖGD, auf dem 74. Wissenschaftlichen ÖGD-Kongress in Erlangen. „Wer solche Ideen verfolgt, riskiert, dass Betroffene sich keine Hilfe mehr suchen – aus Angst vor gesellschaftlicher Ächtung oder staatlicher Überwachung. Auf diese Weise steigern wir das Gefährdungspotential statt es zu senken. Statt Ausgrenzung brauchen wir frühzeitige Unterstützung und einen starken Sozialpsychiatrischen Dienst“, betonte sie.
Studien zeigen klar: Psychische Erkrankungen allein sind kein Risikofaktor für Gewalt. Vielmehr sind es soziale Faktoren wie Ausgrenzung, Diskriminierung und fehlende Versorgungsangebote, die problematische Entwicklungen begünstigen.
Deshalb fordert der BVÖGD: Anstatt neue Register zu schaffen, muss der Fokus auf einer flächendeckenden psychosozialen Versorgung liegen. Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf benötigen nicht nur medizinisch-therapeutische Hilfe, sondern auch Zugang zu stabilem Wohnraum und sozialen Netzwerken. Nur so kann eine nachhaltige gesellschaftliche Teilhabe ermöglicht und Krisensituationen vorgebeugt werden.
„Die Gesundheitsämter spielen dabei eine zentrale Rolle – insbesondere die durch den Pakt für den ÖGD gestärkten Sozialpsychiatrischen Dienste. Ihre langfristige Finanzierung und ihr Ausbau müssen politisch sichergestellt werden“, so Böhm.
Unter dem Motto „Netzwerke im ÖGD – Gesundheit kreativ, digital und lebensnah gestalten“ treffen sich vom 1. bis 4. April in der Universitätsstadt über 2.000 Fachkräfte aus Gesundheitsämtern, Wissenschaft, Verwaltung und Politik. Veranstaltet wird der Kongress gemeinsam vom BVÖGD, der Deutschen Gesellschaft für Öffentliches Gesundheitswesen, dem Bundesverband der Zahnärztinnen und Zahnärzte im ÖGD (BZÖG) und der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP) mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit.
Der Kongress findet zusammen mit dem 11. Bayerischen Kongress für den
Öffentlichen Gesundheitsdienst des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und
Lebensmittelsicherheit statt.
Weitere Informationen zum Kongress-Programm und zu den Veranstaltern finden Sie unter:
http://www.bvoegd-kongress.de
Prof. Dr. Sabine Schleiermacher erhält Johann-Peter-Frank-Medaille
Erlangen – Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) hat Prof. Dr. Sabine Schleiermacher die Johann-Peter-Frank-Medaille für ihr herausragendes wissenschaftliches Engagement verliehen.
„Mit ihren umfangreichen Forschungen zur Geschichte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, insbesondere zu seiner Rolle im 20. Jahrhundert, hat Prof. Schleiermacher entscheidende Beiträge zur historischen Aufarbeitung und zur wissenschaftlichen Fundierung des Fachgebiets geleistet“, betonte Dr. Johannes Donhauser bei der feierlichen Verleihung der Medaille auf dem 74. ÖGD-Kongress in Erlangen.
Prof. Dr. Sabine Schleiermacher ist Wissenschaftlerin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin und beschäftigt sich seit über 25 Jahren mit der Entwicklung der Gesundheitsversorgung, der Sozialmedizin sowie der Funktion des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) unter wechselnden politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Ihre Arbeiten zur Rolle des ÖGD im Nationalsozialismus haben neue wissenschaftliche Perspektiven eröffnet und maßgeblich zur kritischen Reflexion der Geschichte des Fachbereichs beigetragen.
Im Rahmen ihrer Arbeit entstand unter anderem die bekannte Wanderausstellung des BVÖGD zur Rolle des ÖGD im Nationalsozialismus, die erstmals 2019 beim ÖGD-Bundeskongress in Kassel vorgestellt wurde und seither eine rege Nachfrage erlebt. Sie wurde mittlerweile von der Bundesgeschäftsstelle des BVÖGD über 20 Mal in alle Regionen der Bundesrepublik ausgeliehen.
Johann Peter Frank, geboren 1745 in Rodalben und gestorben 1821 in Wien, gilt als Begründer der öffentlichen Hygiene und eines sozialmedizinischen Gesundheitsdienstes. Die Johann-Peter-Frank-Medaille ist die höchste Auszeichnung des BVÖGD und wird seit 1972 jährlich auf dem Bundeskongress verliehen.
ÖGD braucht Zukunft: Fachkräfte sichern, Digitalisierung weiterdenken, Netzwerke stärken
Erlangen, 2. April 2025
Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) steht vor neuen zusätzlichen Herausforderungen: Neben seinen bekannten Aufgaben beim Infektionsschutz, dem Gesundheitsschutz von Kindern und Jugendlichen, der Hygienekontrolle und -beratung, der Betreuung psychisch Kranker und vielem mehr muss er in Zukunft viele neue Aufgaben für die Gesundheit der Bevölkerung übernehmen – wie dies gelingen kann und was dafür nötig ist, steht im Mittelpunkt des 74. Wissenschaftlichen Kongresses des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) und seiner Partnerorganisationen, der vom 1. bis 4. April in Erlangen stattfindet.
„Wir begrüßen, dass die von CDU/CSU und SPD eingesetzte Arbeitsgruppe Gesundheit für einen Koalitionsvertrag der künftigen Bundesregierung empfiehlt, den sogenannten Pakt für den ÖGD über 2026 hinaus fortzusetzen und dafür ab 2027 jährlich 750 Millionen Euro vorzusehen“, sagte die Vorsitzende des Verbandes, Dr. Kristina Böhm, auf der Eröffnung des Kongresses heute in Erlangen. Jetzt komme es darauf an, dies auch im endgültigen Koalitionsvertrag zu verankern und in der neuen Legislaturperiode von Bund, Ländern und Kommunen konsequent umzusetzen. „Die Herausforderungen für den ÖGD nehmen weiter zu – sei es durch Pandemien, den Klimawandel oder neue sicherheitspolitische Lagen. Der ÖGD braucht dauerhaft starke Strukturen, um seinen zentralen Aufgaben in Prävention, Gesundheitsförderung und Bevölkerungsschutz gerecht zu werden“, betonte sie.
Ein positiven Ausblick gab auch die Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Öffentliches Gesundheitswesen (DGÖG), Dr. Susanne Pruskil. „Bei der wissenschaftlichen Verankerung der Bevölkerungsmedizin gibt es in Deutschland erheblichen Nachholbedarf. Aber die neu eingerichteten Lehrstühle für den ÖGD in Dresden, Köln und Leipzig setzen wichtige Impulse für unser Fachgebiet und arbeiten bereits eng mit unserer Fachgesellschaft zusammen. Aktuelle Bestrebungen, Lehr- und Forschungsgesundheitsämter zu etablieren, können einen weiteren wichtigen Beitrag für die Verzahnung von Wissenschaft und Praxis liefern. Denn wissenschaftliche Erkenntnisse dürfen nicht in der Theorie bleiben, sondern sie müssen in der Praxis ankommen“, so Pruskil.
Unter dem Motto „Netzwerke im ÖGD – Gesundheit kreativ, digital und lebensnah gestalten“ treffen sich vom 1. bis 4. April in der Universitätsstadt über 2.500 Fachkräfte aus Gesundheitsämtern, Wissenschaft, Verwaltung und Politik. Veranstaltet wird der Kongress gemeinsam vom BVÖGD, der DGÖG, dem Bundesverband der Zahnärztinnen und Zahnärzte im ÖGD (BZÖG) und der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP) mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit.
Der Kongress findet zusammen mit dem 11. Bayerischer Kongress für den
Öffentlichen Gesundheitsdienst des Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit statt.
Neben hochkarätigen Fachvorträgen und Workshops umfasst das Programm über 400 wissenschaftliche Beiträge aus allen Bereichen des ÖGD – von Infektionsschutz über Kinder- und Jugendgesundheit bis zu Digitalisierung und Umweltmedizin.
Die Pressekonferenz findet statt am Donnerstag, 3. April 2025, 13.30 Uhr, Konferenzraum 5 in der Heinrich-Lades-Halle, Rathausplatz 2, 91052 Erlangen.
Eine Online-Teilnahme ist möglich.
Anmeldung zur Pressekonferenz unter veranstaltungen@congress-compact.de
Weitere Informationen zum Programm und zu den Veranstaltern finden Sie unter: http://www.bvoegd-kongress.de
BVÖGD begrüßt die Gründung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit
Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) begrüßt die Gründung des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG). Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat am 13. Februar die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) entsprechend umbenannt.
Zudem unterzeichneten der kommissarische Leiter des BIÖG, Dr. Johannes Nießen, und der Präsident des Robert Koch-Institutes (RKI), Prof. Lars Schaade, eine Vereinbarung für die künftige Zusammenarbeit von BIÖG und RKI.
„Es ist wichtig, die öffentliche Gesundheit in den Fokus zu rücken. Der BIÖG-Start sendet dafür ein wichtiges Signal. Herausforderungen wie der Klimawandel, die Vorbereitung auf neue mögliche Pandemien und vieles mehr erfordern einen starken Öffentlichen Gesundheitsdienst“, sagte die BVÖGD-Vorsitzende Dr. Kristina Böhm. Wichtig sei nun, das BIÖG nicht personell und finanziell so auszustatten, dass es seine Aufgaben in der Forschung, der Unterstützung der Gesundheitsämter und der Gesundheitskommunikation erfüllen könne, sondern auch dafür Sorge zu tragen, dass die auf kommunaler Ebene erhobenen Daten für Forschung und Maßnahmenableitungen genutzt werden können.
EUSHUM Kongress vom 03. bis 10. Oktober 2024
Unter dem Motto „Sustainable Health in Children and Students — Reduce the GAP!“ findet vom 3. bis 5. Oktober der 22. EUSUHM-Kongress in Potsdam statt. Eingebettet in den Kongress ist die deutschsprachige Konferenz „Schulgesundheitspflege und Vernetzung“ am 04.10.2024. (siehe Flyer)
Ziel des EUSUHM Kongresses ist, den Benefit der School/University Health Services in Europa für die Gesundheit und Bildung der Schüler:innen sichtbar zu machen. Darüber hinaus soll die interdisziplinäre Zusammenarbeit bzw. Vernetzung zwischen Gesundheit und Bildung gestärkt und der Erfahrungsaustausch gefördert werden.
Registrierung und Einreichung von Abstracts: www.EUSUHM.info (Deadline 13.5.2024)
Die Teilnahme am Kongress ist kostenpflichtig, Anmeldung und Informationen unter www.eusuhm.info/registrationfees
Der ÖGD im Nationalsozialismus – und was daraus für heute folgt
Berlin, 29.02.2024
Pressemitteilung als PDF
Die Rolle des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) während des Nationalsozialismus ist Thema auf dem 73. ÖGD-Kongress vom 24. bis 27. April in Hamburg.
Der Kongress steht unter dem Motto „Der Öffentliche Gesundheitsdienst – Rückenwind für Gesundheit“. Erstmals wird er von den Bundesverbänden der Ärztinnen und Ärztinnen des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) und der Zahnärztinnen und Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BZÖG) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Öffentliches Gesundheitswesen (DGÖG) veranstaltet.
Dazu findet am Freitag den 26. April um 17:00 Uhr ein Workshop statt, in dem Referentinnen und Referenten aufbauend auf früheren Workshops und Forschungsarbeiten der Frage nachgehen, was sich aus der Vergangenheit für die Zukunft lernen lässt. „Durch die Auseinandersetzung mit konkreten ethischen Dilemmata aus dem Spannungsfeld von öffentlicher und individueller Gesundheit fördert der Workshop eine reflektierte Haltung zu aktuellen Aufgaben in der Gesundheitsverwaltung“, erläutert Dr. Dr. Jenny Schreiber stellvertretend für das Team der Organisatorinnen und Organisatoren.
Während des Kongresses wird zudem die Ausstellung „Volk Gesundheit Staat“ des BVÖGD und des Bundesministeriums für Gesundheit an zentraler Stelle präsentiert.
Sie zeigt Tätigkeitsbereiche der Gesundheitsämter während des Nationalsozialismus am Beispiel der Länder Thüringen und Württemberg. Nach einem kurzen Überblick über die allgemeine Entwicklung des ÖGD in der NS-Zeit schließt sich eine Darstellung einzelner Arbeitsfelder der Gesundheitsämter an, insbesondere die Umsetzung der sogenannten Erb- und Rassenpflege,
Die Verbände und die wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft des ÖGD haben Ende Januar in einer gemeinsamen Stellungnahme ein Zeichen für Respekt, Menschenwürde, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratie gesetzt. „Rechtsextremismus und jede Form von Fremdenfeindlichkeit lehnen wir entschieden ab!“ heißt es darin.
Workshop „Kritische Auseinandersetzung zur Arbeit im Öffentlichen Gesundheitsdienst: Von der Vergangenheit zur Gegenwart“
Freitag, den 26.04.2024, 17:00-18:30 Uhr, Saal X.10
ÖGD-Kongress
24. – 27. April, CCH – Congress Center Hamburg, Congressplatz 1, 20355 Hamburg
Pressekonferenz
Donnerstag 25. April, von 10.30 bis 11.30 Uhr
Informationen und Anmeldung
https://www.bvoegd-kongress.de
Stellungnahme „Der ÖGD gegen rechts“
Trauer um Dr. Jan Leidel
Berlin, 16.02.2024
Pressemitteilung als PDF
Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) trauert um Dr. Jan Leidel. Der ehemalige Vorsitzende des BVÖGD-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen (NRW) und langjährige Leiter des Kölner Gesundheitsamtes ist am 10. Februar mit 80 Jahren gestorben. „Jan Leidel war ein großes Vorbild. Das von ihm geführte Gesundheitsamt in Köln hat mich am Beginn meiner Arbeit im ÖGD durch seine Vielfalt und Aufbaustruktur motiviert, es in meinen nachfolgenden Stationen ähnlich anzupacken“, sagte die BVÖGD-Vorsitzende Dr. Kristina Böhm.
„Leidel hat sich für den ÖGD und die Bevölkerungsmedizin, insbesondere die Prävention, stark gemacht, unter anderem als Vorsitzender der Ständigen Impfkommission des Robert Koch-Institutes (STIKO)“, sagte der erste stellvertretende BVÖGD-Vorsitzende Dr. Emanuel Wiggerich.
Leidel wurde 1944 in Gießen geboren. Der Facharzt für Mikrobiologie sowie für Öffentliches Gesundheitswesen leitete von 1985 bis 2009 das Kölner Gesundheitsamt. Von 1998 bis 2001 war er Vorsitzende des Landesverbandes NRW des BVÖGD und von 2011 bis März 2017 Vorsitzender der STIKO.
Er führte am Kölner Gesundheitsamt als eine der ersten Einrichtungen sogenannte sozialkompensatorische Angebote ein – zum Beispiel übernahm das Amt die hausärztliche Versorgung von Menschen ohne festen Wohnsitz und von solchen, die nicht in der Lage waren, die Angebote der gesundheitlichen Regelversorgung in Anspruch zu nehmen – etwa wegen einer chronischen psychischen Erkrankung.
Neues Gesetz zum Schutz der kritischen Infrastruktur in Deutschland
Viele neue Aufgaben für den Öffentlichen Gesundheitsdienst
Berlin, 09.02.2024
Pressemitteilung als PDF
Berlin – Mit dem geplanten Gesetz zum Schutz der kritischen Infrastruktur in Deutschland (KRITIS-Dachgesetz) kommen auf den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) voraussichtlich neue Aufgaben hinzu, für die er personell noch nicht ausgestattet ist. Darauf weist der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) in einer Stellungnahme zum Gesetzentwurf hin. „Auch die in der Corona-Pandemie geschaffenen zusätzlichen Stellen werden diesen neuen Bedarf nicht abdecken – zumal der sogenannte Pakt für den ÖGD Ende 2026 ausläuft und die Anschlussfinanzierung noch nicht feststeht“, betont der erste stellvertretende BVÖGD-Vorsitzende Dr. Emanuel Wiggerich.
Der Gesetzentwurf sieht regelmäßige Risikoanalysen und -bewertungen von staatlicher Seite und von den Betreibern in Sektoren mit kritischer Infrastruktur vor. Hier werden die Gesundheitsämter laut dem BVÖGD sehr gefordert sein: Zusätzliche Aufgaben sieht der Verband laut dem Gesetzentwurf in mindestens sieben Bereichen: bei Berichtspflichten zum Gesundheitswesen, der Trinkwasserversorgung, der Abwasserentsorgung, der Gesundheit der Bevölkerung, der Umwelthygiene, im Bereich „klimatische und von Menschen verursachte Risiken“, sowie im Bereich „gesundheitliche Notlagen“.
„Es mag im Gesetzentwurf noch Änderungen im Detail geben. Aber die grundsätzliche Richtung ist vorgeben. Klar ist: Ohne zusätzliches Personal sind die dann anstehenden neuen Aufgaben nicht zu bewältigen – das betrifft das ärztliche Personal und andere Fachgruppen“, so Wiggerich, der auch Leiter des Gesundheitsamtes Oberhausen ist.
Wichtig ist laut der Stellungnahme des BVÖGD außerdem, Gesundheitsämter an die beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe geplante zentrale, digitale Datenplattform anzubinden. Nur so könnten Anfragen von übergeordneten Behörden ohne Zeitverzug effizient beantwortet werden, betont der Verband.
Das KRITIS-Dachgesetz
Dieses Gesetz soll die kritische Infrastruktur in Deutschland identifizieren und Mindeststandards für den Schutz festlegen. Bisher gab es solche Bundesregelungen nur für die IT-Sicherheit kritischer Infrastrukturen. „Ereignisse mit katastrophaler Wirkung passieren, und sie werden zunehmend komplexer und oftmals verstärken sie sich gegenseitig“ argumentiert das Bundesministerium des Inneren und für Heimat auf seiner Internetseite.
Das neue Gesetz unterscheidet verschiedene Sektoren, zum Beispiel Energie, Logistik, Trinkwasser und andere. Ausfälle in einem Sektor könnten auch auf andere Sektoren schwere Auswirkungen haben.
„Dennoch gibt es in Deutschland abseits des Bereichs der IT-Sicherheit kritischer Infrastrukturen keine sektoren – und gefahrenübergreifende Regelung“, informiert das Ministerium. Das KRITIS-Dachgesetz lege erstmalig ein „Dach“ über die Sektoren. Es soll alle kritischen Infrastrukturen in den Blick nehmen und definieren, welche Unternehmen und Einrichtungen mit Blick auf den physischen Schutz für die Gesamtwirtschaft verpflichtende Resilienzmaßnahmen ergreifen müssen.
Der Öffentliche Gesundheitsdienst tritt GEMEINSAM für Demokratie und Menschenrechte ein!
Berlin, 30.01.2024
Stellungnahme als PDF
Die Verbände des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) plädieren in einem gemeinsamen Statement für Respekt, Menschenwürde, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratie.
„Rechtsextremismus und jede Form von Fremdenfeindlichkeit lehnen wir entschieden ab. Unser Ziel muss sein, die Integration von Menschen mit Migrationserfahrung in unsere Gesellschaft und den Arbeitsmarkt zu unterstützen“, sagte die Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienst (BVÖGD), Dr. Kristina Böhm.
„Es ist unsere ethische Überzeugung und unsere gesetzliche Aufgabe, auf die gesundheitliche Chancengleichheit aller Bevölkerungsgruppen hinzuwirken“, betonte die erste Vorsitzende des Bundesverbandes der Zahnärztinnen und Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BZÖG), Dr. Ilka Gottstein.
Die Verbände betonen, in Deutschland willkommen und Teil unserer Gesellschaft zu sein, sei eine Frage des Bekenntnisses zu unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung und zu unseren gemeinsamen Werten und keine Frage von Hautfarbe oder Herkunft, von Geschlecht, Sprache, Religion oder sexueller Orientierung.
Der ÖGD gegen rechts
Gemeinsame Stellungnahme
Berlin, 30. Januar 2024
Die Verbände und die wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) setzen gemeinsam ein Zeichen für Respekt, Menschenwürde, gesellschaftlichen Zusammenhalt und Demokratie.
Rechtsextremismus und jede Form von Fremdenfeindlichkeit lehnen wir entschieden ab!
Im ÖGD arbeiten Menschen aus vielen Nationen, verschiedenster Herkunft, Sprache und Religion erfolgreich und eng zusammen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der ÖGD setzen sich dabei jeden Tag für Menschen mit Migrations- und Fluchterfahrung ein.
Der ÖGD sieht sich in einer besonderen sozialen Verantwortung. Zahlreiche Aufgaben zielen darauf ab, Defizite in der Prävention und Versorgung zu erkennen und sozial bedingte Ungleichheit zu verringern. Dazu zählen insbesondere die Untersuchungen von Geflüchteten in Gemeinschaftseinrichtungen, die flächendeckende Schuleingangsuntersuchungen, die zahnärztliche Prophylaxe und Reihenuntersuchungen in Kitas und Schulen wie auch Begutachtungen bei drohender Behinderung.
Zusammenhalt und Vielfalt sind erfolgreich gelebte Praxis. In Deutschland willkommen und Teil unserer Gesellschaft zu sein, ist keine Frage von Hautfarbe oder Herkunft, von Geschlecht, Sprache oder Religion, sondern des Bekenntnisses zu unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung und zu unseren gemeinsamen Werten!
Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD)
Bundesverband der Zahnärztinnen und Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BZÖG)
Deutsche Gesellschaft für Öffentliches Gesundheitswesen (DGÖG)
Kongressankündigung 2024
Berlin, 18.Januar 2024
Pressemitteilung als PDF
Klimawandel, Infektionskrankheiten, Kinder- und Jugendgesundheit, zahnmedizinische Versorgung, Hygiene-Fragen und vieles mehr: Vom 24.- 27. April 2024 diskutieren Fachleute des öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) bevölkerungsmedizinisch wichtige Themen auf ihrem 73. Kongress in Hamburg.
Die Pressekonferenz dazu wird am Donnerstag 25. April von 11.00 bis 12.00 Uhr stattfinden.
Der Kongress steht unter dem Motto „Der Öffentliche Gesundheitsdienst – Rückenwind für Gesundheit“. Erstmals wird er von den Bundesverbänden der Ärztinnen und Ärztinnen im Öffentlichen Gesundheitsdienst (BVÖGD) und der Zahnärztinnen und Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BZÖG) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Öffentliche Gesundheit (DGÖG) veranstaltet.
Die DGÖG wurde im Rahmen des letzten Kongresses im April 2023 in Potsdam gegründet.
„Nach der Corona-Krise ist vor der Corona-Krise! Die vom ÖGD zu bewältigenden Aufgaben sind weiterhin umfangreich, komplex und nur interdisziplinär zu bewältigen. Gerade deshalb ist die Fortsetzung der begonnenen Prozesse zum Personalaufwuchs und der Digitalisierung im ÖGD und die Verstetigung der damit verbundenen Förderung ein Muss. Der ‚Pakt für den ÖGD‘ darf daher kein Strohfeuer bleiben“, sagte die BVÖGD-Vorsitzende Dr. Kristina Böhm.
Das Programm des Kongresses reicht vom Infektionsschutz, dem Klima- und Umweltschutz, der Psychiatrie, der Kinder- und Jugendmedizin, der Prävention und Gesundheitsförderung über zahnmedizinische Themen bis hin zu den Fragen der amtsärztlichen Begutachtung.
Die DGÖG wird als Mitveranstalterin ein Jahr nach ihrer Gründung eine erste Bilanz ihrer Tätigkeit ziehen und unter anderem ihre Vorstellungen zur wissenschaftlichen Stärkung der öffentlichen Gesundheit in Forschung, Lehre und Praxis präsentieren.
Der Jahreskongress der Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP) wird zusammen mit dem ÖGD-Kongress stattfinden. In Kooperation mit dem Fachausschuss Umweltmedizin des BVÖGD wird es unter anderem um das Thema „Klima und Gesundheit“ gehen. Außerdem wird die Fachgesellschaft eine neue Leitlinie zur Diagnostik bei Schimmelpilzexpositionen in Innenräumen vorstellen.
Informationen in Kürze
Kongress „Der Öffentliche Gesundheitsdienst – Rückenwind für Gesundheit“
Zeit: vom 24. bis 27. April 2024
Ort: CCH – Congress Center Hamburg, Congressplatz 1, 20355 Hamburg
Pressekonferenz: Donnerstag 25. April, von 11.00 bis 12.00 Uhr
Informationen und Anmeldung: https://www.bvoegd-kongress.de
BVÖGD benennt neue Führungsspitze
Berlin, 04.12.2023
Pressemitteilung als PDF
Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) hat eine neue Leitung: Neue Vorsitzende ist Dr. med. Kristina Böhm, Leiterin des Gesundheitsamtes Potsdam, neuer erster stellvertretender Vorsitzender Dr. med. Emanuel Wiggerich, Leiter des Gesundheitsamtes Oberhausen.
Die Neubesetzung wurde notwendig, weil der bisherige Verbandsvorsitzende, Dr. Johannes Nießen aus Köln, als Errichtungsbeauftragter das neue Bundesinstitut für Prävention und Aufklärung in der Medizin (BIPAM) aufbauen soll und die BVÖGD-Leitung daher niedergelegt hat. Die neue Führung wurde durch den erweiterten Vorstand satzungsgemäß bestimmt. Eine Wahl findet bei der nächsten Mitgliederversammlung Ende April in Hamburg statt.
Böhm war bislang erste stellvertretende Vorsitzende des BVÖGD. Von 1995 bis 2015 hat sie als Sanitätsoffizier bei der Bundeswehr gearbeitet – zuletzt in der Überwachungsstelle „ÖRA Ost Bw“ als Amtsärztin Bundeswehr. Seit Dezember 2015 leitet sie das Gesundheitsamt der Landeshauptstadt Potsdam. Sie ist außerdem beratende Krankenhaushygienikerin und betreut eine allgemeinmedizinische Sprechstunde in der Justizvollzugsanstalt Cottbus-Dissenchen. „Mir liegt insbesondere die Nachwuchsförderung sehr am Herzen, deshalb unterrichte ich noch an verschiedenen Orten und bilde Fachärztinnen und Fachärzte für Öffentliches Gesundheitswesen aus“, so Böhm.
Wiggerich ist neben seiner Tätigkeit als Leiter des Gesundheitsamtes Oberhausen Vorsitzender des Landesverbandes Nordrhein-Westfalen des BVÖGD. „Es geht darum, den ÖGD modern und krisenfest aufzustellen“, erläutert er. „Dazu möchte ich insbesondere an guten Lösungen für die großen Herausforderungen Digitalisierung des ÖGD, Auswirkungen des Klimawandels und Nachwuchsgewinnung in Zeiten des Fachkräftemangels mitwirken“, so Wiggerich.