Neue Testverordnung des Bundes bringt Gesundheitsämter in Bedrängnis
Pressemitteilung
Berlin, 23. August 2022
Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) plant eine Änderung der Corona Testverordnung mit erheblichen Auswirkungen auf die Arbeit der Gesundheitsämter. Diese sollen die privaten Teststellen auch auf möglichen Abrechnungsbetrug überprüfen.
Als Konsequenz aus bundesweit beobachteten Abrechnungsunregelmäßigkeiten privater Corona-Testzentren plant das BMG eine Änderung der Testverordnung, die eine „vertiefte Prüfung der ordnungsgemäßen Durchführung und Abrechnung der Testungen…bezogen auf den jeweiligen Leistungserbringer durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD)“ vorsieht.
Der ÖGD konnte auch bisher schon private Testzentren aus hygienischer und fachlicher Sicht überprüfen. Wurden dabei offensichtliche Unregelmäßigkeiten bei der Abrechnung erkannt, wurden diese der Kassenärztlichen Vereinigung mitgeteilt.
„Die jetzt vorgesehene gezielte Ermittlung von Abrechnungsbetrug bei Corona-Tests ist keine originäre Aufgabe des öffentlichen Gesundheitsdienstes, sondern die Arbeit von Kassenärztlicher Vereinigung und Staatsanwaltschaft“ so Kristina Böhm, stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD)
Eine weitergehende Untersuchung und Ermittlung durch die Gesundheitsämter sieht sie aufgrund der fortbestehenden Personalnot, der multiplen und wichtigeren Aufgaben im Bevölkerungsschutz und wegen der fehlenden Kompetenzen bei der Ermittlung von Abrechnungsbetrug sehr kritisch.
Pressekontakt
Dr. Kristina Böhm, stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes
der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD)
Joachimsthaler Straße 31-32
10719 Berlin
E-Mail: info@bvoegd.de
Telefon: 030 8872737-55
Personalnot der Gesundheitsämter
Pressemitteilung
Berlin, 25. Mai 2022
Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) benötigt für seine vielfältigen Aufgaben dringend mehr Fachpersonal in den Gesundheitsämtern. „Dazu müssen wir möglichen Bewerberinnen und Bewerbern attraktive und langfristige Perspektiven bieten können“, erläutert Dr. Johannes Nießen, Vorsitzender des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), anlässlich des Deutschen Ärztetages.
Der BVÖGD fordert daher einen arztspezifischen Tarifvertrag im ÖGD, damit die Ämter im Wettbewerb um Fachkräfte mit Krankenhäusern und Praxen mithalten können – Stichwort „gleiche Bezahlung für gleiche Facharztqualifikation.“
Nießen lobt, dass die Kommunen mit Mitteln aus dem sogenannten Pakt für den ÖGD zusätzliches Personal einstellen könnten. „Wichtig ist aber, dass wir eine langfristige Perspektive bieten können und nicht nur befristete Verträge“, so der BVÖGD-Vorsitzende.
Er wies daraufhin, dass die Arbeit im Gesundheitsamt nicht allein den Infektionsschutz und das Pandemiemanagement umfasse, sondern auch die Betreuung von Wohnungslosen und psychisch Kranken, Schuleingangsuntersuchungen, Trinkwasser- und Hygienekontrollen, Gesundheitsberichterstattung und vieles mehr. „Das ist eine anspruchsvolle, abwechslungsreiche und sehr befriedigende ärztliche Tätigkeit“, betonte der Leiter des Kölner Gesundheitsamtes.
BVÖGD bestimmt neuen Vorstand
Pressemitteilung
Berlin, 24. Mai 2022
Der neugewählte Vorstand des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) hat sich zu seiner ersten Arbeitssitzung getroffen.
„Ganz zentral für unsere Arbeit bleibt die Umsetzung des sogenannten ÖGD-Paktes – also der Personalaufbau in den Gesundheitsämtern und die weitere technische Ausstattung des ÖGD“, sagte der BVÖGD-Vorsitzende Dr. Johannes Nießen. „Aber damit die Ämter Fachpersonal gewinnen können, brauchen wir einen arztspezifischen Tarifvertrag auch im ÖGD – dies ist und bleibt ein Schwerpunkt unserer Arbeit“, betonte der Leiter des Kölner Gesundheitsamtes.
Der Verband hatte auf seinem Jahrestreffen – dem 71. wissenschaftlichen Kongress des BVÖGD vom 12. bis 14. Mai in Magdeburg – einen neuen Vorstand bestimmt.
Vorsitzender war und bleibt Dr. Johannes Nießen, Köln.
Neue stellvertretende Vorsitzende ist Dr. Kristina Böhm, Potsdam. Böhm ist bereits seit Juni 2021 Vorsitzende des Landesverbandes ÖGD Brandenburg-Berlin.
Zweite stellvertretende Vorsitzende bleibt Dr. med. Katharina Hüppe, Hildesheim.
Auch die Schatzmeisterin – Martina Hänel aus Berlin – und die Schriftführerin – Dr. Karlin Stark aus Ludwigsburg – üben ihre Ämter weiter aus.
Neue Beisitzer im Vorstand sind Prof. Dr. Bertram Szagun von der RWU Hochschule Ravensburg-Weingarten und Dr. Susanne Paulmann, Bamberg.
Nießen dankte den ausscheidenden und ausgeschiedenen Vorstandsmitgliedern – Dr. Ute Teichert, Dr. Elke Bruns-Philipps und Dr. Andreas Kaunzner für ihre langjährige und engagierte Verbandsarbeit.
Gesundheitsämter brauchen geschultes Personal und klare Regeln
Pressemitteilung
Berlin, 22. Dezember 2021
Der Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD-Pakt) sollte dafür sorgen, dass die Gesundheitsämter in Deutschland in Krisen und Katastrophen schlagkräftiger agieren können. Das fordert der Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) und weist auf Empfehlungen des Beirates Pakt ÖGD hin.
„Dafür benötigen die Gesundheitsämter dringend Personal, das im Krisenmanagement geschult ist und Freiraum hat, den Krisen- und Katastrophenfall zusammen mit anderen Institutionen wie der Feuerwehr, dem Rettungsdienst, dem Technischen Hilfswerk und anderen zu üben“, fordert die Verbandsvorsitzende Dr. Ute Teichert.
Wichtig sind laut dem Verband zudem gesetzlichen Grundlagen für einen ÖGD, der im Krisenfall effektiv handeln kann. „Nur vereinzelt finden sich in den Gesundheitsdienstgesetzen der Länder Regelungen zum Krisenmanagement. Dies hat zur Folge, dass fest etablierte Krisenmanagementstrukturen im ÖGD nicht flächendeckend auf allen Ebenen vorhanden sind“, heißt es im ersten Gutachten des Beirates Pakt ÖGD.
„Wir brauchen einheitliche gesetzlichen Grundlagen dafür, in den Ämtern vernetzt und integriert arbeiten zu können – mit anderen Institutionen wie der Feuerwehr und überregional, auch über Ländergrenzen hinweg“, betont Sabine Becker, Sprecherin des Fachausschusses Krisenmanagement des BVÖGD.
Wichtig ist laut dem BVÖGD, auf allen Ebenen des ÖGD Krisenstabsstrukturen aufzubauen und den ÖGD bei gesundheitlichen Notlagen in bestehende Stabsstrukturen des Katastrophenschutzes in verantwortlicher Funktion einzubinden. „Bei der Schaffung der Stellen ist zu berücksichtigen, dass ausreichend Stellenanteile für notwendige bereichsübergreifende Übungen einzuplanen sind“, empfiehlt der Beirat Pakt ÖGD.
„Klare Rahmenbedingungen und deutlich mehr Fachpersonal – dann kann der ÖGD seine vielfältigen wichtigen Aufgaben bei der gesundheitlichen Daseinsfürsorge für die Bevölkerung ausfüllen“, betont Teichert.
Zum Koalitionsvertrag der Ampelparteien
Pressemitteilung
Berlin, 25. November 2021
Zum Koalitionsvertrag der Ampelparteien sagt, Dr. Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD):
„Die Ampelparteien SPD, Grüne und FDP haben die große Bedeutung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) erkannt und schreiben im Koalitionsvertrag fest, diesen nachhaltig zu stärken.
Das Wichtigste, was die Gesundheitsämter benötigen, ist qualifiziertes zusätzliches Fachpersonal. Wir begrüßen sehr, dass die Koalitionäre die Tarifpartner auffordern, dazu einen eigenständigen Tarifvertrag zu schaffen. Denn Fachpersonal werden die Ämter nur gewinnen können, wenn sie attraktive Arbeitsbedingungen und eine leistungsgerechte Bezahlung bieten.
Sehr wichtig ist außerdem die Zusage der Koalitionäre, die notwendigen Mittel für einen dauerhaft funktionsfähigen ÖGD bereitzustellen. Damit ist klar, dass der sogenannte ÖGD-Pakt nicht im Jahr 2026 auslaufen wird. Das begrüßen wir sehr, weil die Ämter und ihre Mitarbeiter langfristige Perspektiven benötigen.“
Teichert bot der künftigen Bundesregierung eine aktive Mitarbeit beim Pandemie-Krisenmanagement an. „Der ÖGD ist bei der Bewältigung der Pandemie unverzichtbar. Seine Expertise sollte daher im künftigen Krisenstab und dem angekündigten Pandemierat im Bundesgesundheitsministerium vertreten sein“, betonte sie.
Sie bezog sich damit auf einen Abschnitt im Koalitionsvertrag, in dem es heißt: „Wir werden das Krisenmanagement der Bundesregierung zur Bekämpfung der Corona-Pandemie neu ordnen. Hierzu setzen wir unverzüglich einen gemeinsamen Krisenstab der Bundesregierung ein, um die gesamtstaatliche Bekämpfung der Corona-Pandemie besser zu koordinieren.
Zur wissenschaftlichen Beratung wird ein interdisziplinär besetzter wissenschaftlicher Pandemierat beim Bundesministerium für Gesundheit geschaffen.“
Den öffentlichen Gesundheitsdienst langfristig als Arbeitgeber attraktiv machen!
Pressemitteilung
Berlin, 02. November 2021
Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) fordert, den ÖGD als Arbeitgeber attraktiver zu machen. „Die personelle Ausstattung der Gesundheitsämter ist entscheidend, damit sie ihre Aufgaben bei der Gesundheitsförderung und dem Gesundheitsschutz der Bevölkerung erfüllen können – nicht nur bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie, sondern auch bei ihren anderen wichtigen breit gefächerten Aufgaben“, sagte die Vorsitzende des Verbandes, Dr. Ute Teichert.
Die Forderung greift dazu wesentliche Vorschläge des unabhängigen „Beirates ÖGD-Pakt“ auf. Dieser vom Bundesministerium für Gesundheit im Einvernehmen mit der Gesundheitsministerkonferenz der Länder (GMK) berufene Beirat hat in einem knapp 30-seitigen ersten Bericht Empfehlungen für die Politik zur Stärkung und zum Ausbau des ÖGD zusammengefasst.
Der Expertenbeirat nennt mehrere Punkte, um die Arbeit im ÖGD für qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber attraktiv zu machen:
Wichtig sei, die Stellen nicht auf die Laufzeit des ÖGD-Paktes zu befristen – also bis 2026 – sondern dauerhaft einzurichten und zu finanzieren: „Die dauerhafte Finanzierung des personell gestärkten ÖGD muss über das Jahr 2026 hinaus für die Planungssicherheit der Träger in Bund, Ländern und Kommunen sichergestellt werden“, heißt es in dem Bericht (Seite 22).
Entscheidend für die Personalgewinnung sei zudem die Bezahlung der Bewerberinnen und Bewerber. Dies gelte für alle Berufsgruppen, besonders aber für Ärztinnen und Ärzte. Der Beirat kritisiert, dass sie im ÖGD nicht gleichwertig wie in Krankenhäusern oder bei Begutachtungsstellen, wie dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen, bezahlt werden. „Die finanzielle Schlechterstellung aller Ärztinnen und Ärzte im ÖGD gegenüber anderen Ärztinnen und Ärzten führt zu Abwanderungen aus dem ÖGD und erschwert die Gewinnung von leistungsfähigen und verantwortungsbereiten Kolleginnen und Kollegen aus anderen ärztlichen Tätigkeitsbereichen für den ÖGD“, warnt der Beirat und empfiehlt einen arztspezifischen Tarifvertrag. Neben der Bezahlung bestimmen auch die Arbeitsbedingungen (zum Beispiel die Vereinbarkeit von Familie und Beruf), das Image und die gesellschaftliche Anerkennung die Attraktivität der Arbeit in den Gesundheitsämtern. Der Beirat empfiehlt dazu eine groß angelegte Imagekampagne.
„Der BVÖGD fordert seit Jahren zusammen mit dem Marburger Bund und anderen einen arztspezifischen Tarifvertrag in Gesundheitsämtern, damit wir die Ärztinnen und Ärzte im ÖGD angemessen bezahlen können. Die öffentliche Arbeitgeber, allen voran die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA), müssen ihre Blockadehaltung endlich aufgeben und Tarifverhandlungen mit dem Marburger Bund aufnehmen. Sonst können wir die offenen Stellen in den Ämtern nicht besetzen“, sagte der tarifpolitische Sprecher des BVÖGD, Dr. Matthias Albers.
Inhalt ÖGD-Pakt
Im Zuge der Corona-Pandemie hat sich deutlich gezeigt, dass die Gesundheitsämter in Deutschland mehr Fachpersonal und eine bessere technische Ausstattung benötigen. Die Ministerpräsidentenkonferenz und die Bundeskanzlerin haben daher Ende des Sommers 2020 den sogenannten Pakt für den ÖGD beschlossen. Schwerpunkt dieses Paktes sollen die personelle Verstärkung (einschließlich der damit verbundenen Maßnahmen zur Aus- Fort- und Weiterbildung) sowie die bessere technische und digitale Ausstattung der Gesundheitsämter sein. Dafür will der Bund bis 2026 insgesamt vier Milliarden Euro bereitstellen.
Aufgabe Beirat Pakt ÖGD
Ende 2020 haben die Gesundheitsminister der Länder zusammen mit dem Bundesgesundheitsministerium für zwei Jahre einen „Beirat zur Beratung zukunftsfähiger Strukturen im Öffentlichen Gesundheitsdienst in Umsetzung des Pakts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst“, (Beirat Pakt ÖGD) ins Leben gerufen.
Die in den Beirat berufenen Expertinnen und Experten haben die Aufgabe, Vorschläge zu erarbeiten, wie der ÖGD-Pakt sinnvoll umzusetzen ist und die Gesundheitsämter in Deutschland gestärkt werden können. Ende Oktober wurde ein erster Bericht des Gremiums von der Vorsitzenden des Beirates, Dr. Ute Teichert dem geschäftsführenden Bundesgesundheitsminister Jens Spahn übergeben.
Kreativität statt Streik
Nach wie vor ist die Personalsituation im kommunalen Öffentlichen Gesundheitsdienst dramatisch. Die neu zu schaffenden Stellen mit Geldern aus dem „Pakt für den ÖGD“ werden nur vereinzelt besetzt. Sowohl die Kommunalen Spitzenverbände verweigern dies, weil -bei der Vorgabe des Bundes unbefristete Stellen zu schaffen- die Finanzierung durch den Pakt nur für die ersten fünf Jahre zugesagt ist. Aber auch der bundesweite Mangel an Ärztinnen, Ärzten und anderen Fachkräften macht es fast unmöglich. Da die Vereinigung Kommunaler Arbeitgeber weiterhin einen arztspezifischen Tarifvertrag für den ÖGD verweigert, bleibt es bei einer Gehaltsdifferenz von bis zu 1500€ brutto vergleichen mit Kolleginnen und Kollegen in kommunalen Krankenhäusern. So werden Stellen auch nach Abschluss eines zunächst geglückten Besetzungsverfahrens noch abgesagt.
Angesichts der aktuellen Tarifverhandlungen für die Kommunalen Kliniken und der weiterhin bestehenden Belastung durch die Pandemie, waren sich die Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes bei ihrer Delegiertenversammlung einig: Wir müssen auf unsere Situation aufmerksam machen.
So erging ein bundesweiter Aufruf an alle Gesundheitsämter mit ironischen, amüsanten, vielleicht auch berührenden Selfies vor dem eigenen Gesundheitsamt die bedrückende Personalsituation darzustellen.
Die Bildersammlung dauert noch bis zum 31.08.2021 an, nach Postleitzahl sortiert kann man bereits Ergebnisse unter folgendem Link ansehen: Kreativität statt Streik Galerie
Schickt an unsere BVÖGD Geschäftsstelle info@bvoegd.de bis zum 12.05.2022 ein witziges, ironisches, berührendes Selfie oder Foto zum Thema „Personalsituation in unserem Amt“.
Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt:
Stellt euch mit leeren Kitteln vor das Amt und schreibt, wie viele Kittel ihr zu besetzten habt, stellt euch einsam auf ein Feld oder eine Wiese als „Amtsarzt allein auf weiter Flur“, setzt euch mit Fernglas auf die Fensterbank im Gesundheitsamt „als Amtsarzt sucht Nachfolger“, und so weiter
Vierte Corona-Welle: Gesundheitsämter am Limit
Pressemitteilung
Berlin, 02.09.2021
Vierte Corona-Welle: Gesundheitsämter am Limit
Die Gesundheitsämter in Deutschland spielen auch in der vierten Corona-Welle eine zentrale Rolle bei der Bewältigung der Pandemie. Vielerorts stoßen sie bei den erneut steigenden Infektionszahlen aber personell an ihre Grenzen. „Wir brauchen dringend einheitliche Regeln, welche Kontaktpersonen die Gesundheitsämter nachverfolgen sollen. Und für diese Aufgabe benötigen wir zusätzliches Personal, weil die bisherige Unterstützung aus anderen Verwaltungsbereichen mit den Sommerferien eingestellt wurde“, sagte Dr. Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD). Sie wies daraufhin, dass die Ämter über den sogenannten Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst („ÖGD-Pakt“) bislang nur wenige Fachkräfte für die Arbeit vor Ort gewinnen konnten. „Die fehlen uns jetzt sehr“, sagte Teichert.
Der BVÖGD empfiehlt, dass die Gesundheitsämter nur noch in sensiblen Bereichen wie Gemeinschaftseinrichtungen und Alten- und Pflegeheimen die Kontaktpersonen von Infizierten nachverfolgen. „Bei hohen Infiziertenzahlen ohne gleichzeitigen Lockdown, sind die Kontaktzahlen der Menschen so hoch, dass eine grundsätzliche und umfängliche Nachverfolgung nicht zu leisten ist“, erläuterte Teichert. Wegen der Impfrate von rund 60 Prozent doppelt geimpften Personen in der Bevölkerung sei es aber auch nicht mehr zwingend notwendig, alle Kontaktpersonen von Infizierten zu ermitteln und zu benachrichtigen.
Die Gesundheitsämter sollten laut dem BVÖGD unbedingt weiterhin Einrichtungen zu Fragen der Hygiene beraten und vor Ort Impfkampagnen unterstützen. „Impfungen gehören zu den originären Aufgaben des ÖGD, insbesondere das Erreichen von Bevölkerungsgruppen mit schlechtem Zugang zur medizinischen Versorgung“, sagte Teichert.
„Die Gesundheitsämter in Deutschland benötigen dauerhaft zusätzliches Fach- und kurzfristig auch Hilfspersonal Aber es ist für die Ämter bundesweit schwer, insbesondere Ärztinnen und Ärzte für die Arbeit im Öffentlichen Gesundheitsdienst zu gewinnen“, betonte die BVÖGD-Vorsitzende.
50 Jahre Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen
Pressemitteilung
Berlin, 01.09.2021
Stream am 9. September ab 15 Uhr: 50 Jahre Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen –mit einer Videobotschaft der Bundeskanzlerin
Mit Videobeiträgen von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und NRW-Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann im Live-Stream freut sich die Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen (AÖGW) über prominente Gratulant:innen zu ihrem 50. Geburtstag.
Die AÖGW wurde 1971 gegründet und ist die einzige länderübergreifende Einrichtung zur Aus-, Fort- und Weiterbildung der Beschäftigten im Öffentlichen Gesundheitsdienst. Anlässlich des 50. Geburtstags findet eine Online-Feier statt; sie wird über den YouTube-Kanal der AÖGW gestreamt. Es ist keine Anmeldung nötig; der Kanal ist auch über die Website der Akademie (www.akademie-oegw.de) erreichbar. „Wir laden alle Interessierten ganz herzlich zu unserer Feier ein“, sagt Dr. Ute Teichert, Direktorin der AÖGW.
Die Feier beginnt um 15 Uhr. Ab 16:10 Uhr diskutieren Expert:innen über den Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst, um 17:00 Uhr steht die Digitalisierung des ÖGD auf der Agenda. Das Programm finden Sie hier: https://is.gd/Detailprogramm
50-Jahre-AÖGW-Feier im Stream: Donnerstag, den 9. September 2021, 15:00 bis 18:00 Uhr, YouTube-Kanal der AÖGW: https://is.gd/YouTubeAkademie
Spendenaufruf von BVÖGD und BZÖG an alle Kolleginnen und Kollegen
Berlin, 19. Juli 2021
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
mit großer Bestürzung haben wir die Bilder und Meldungen zur Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen wahrgenommen.
Wir trauern mit den Menschen, die Angehörige verloren haben, deren Existenz und Zuhause zerstört wurde. Die Not in den betroffenen Regionen ist weiterhin hoch. Störungen der Strom- und Wasserversorgung behindern vielerorts die Arbeit der Gesundheitseinrichtungen.
Besonders bestürzt hat uns die Meldung aus Sinzig, wo es bei dem rasch einsetzenden Hochwasser in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung nicht gelungen ist, alle Bewohner in Sicherheit zu bringen. Zwölf Menschen sind dadurch zu Tode gekommen.
Da wir momentan nicht vor Ort helfen können, möchten wir über einen Spendenaufruf Geld sammeln.
Ein Teil des Geldes soll an die Einrichtung für Behinderte in Sinzig gehen um damit die Bestattung der Opfer und die Verarbeitung dieser Katastrophe bei Bewohnern und Mitarbeitern zu unterstützen. Der andere Teil soll mit Hilfe der Kreisverwaltung Ahrweiler unbürokratisch an besonders betroffene Menschen der Region vermittelt werden.
Wir danken Ihnen für Ihre Hilfsbereitschaft!
Dr. Ute Teichert (BVÖGD) und Dr. Michael Schäfer (BZÖG)
Noch eine Anmerkung: Dr. Ute Teichert leitete im Landkreis Ahrweiler bis 2012 das Gesundheitsamt und kennt die Einrichtung in Sinzig gut.
Das Spendenkonto ist bei der Kreissparkasse Ahrweiler eingerichtet
Empfänger: Kreisverwaltung Ahrweiler
IBAN: DE86 5775 1310 0000 3394 57
BIC: MALADE51AHR
Spendenkonto „Hochwasser“
Bis zu einem Betrag von 200 € gilt der Kontoauszug als Spendenquittung.