Preisträgerinnen und Preisträger 2023 der Johann-Peter-Frank-Medaille
Pressemitteilung
Berlin, 27.04.2023
Engagement für die öffentliche Gesundheit
Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) hat auf seinem Jahreskongress 2023 drei Persönlichkeiten die Johann-Peter-Frank-Medaille für ihr Engagement um die Ge-sundheit der Bevölkerung in Deutschland verliehen.
„Die drei Medaillenträgerinnen und -träger repräsentieren drei wichtige Aufgabenfelder des ÖGD, nämlich den Kinder- und Jugendärztlichen Dienst, den Zahnmedizinischen Dienst und die Bereiche Prävention und Gesundheitsberichterstattung“, sagte der BVÖGD-Vorsitzende Dr. Johannes Nießen in seiner Laudatio auf der Eröffnung des Kongresses heute in Potsdam. Dabei hätten alle drei in besonderer Weise die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen im Blickfeld – auch und gerade jene mit sozialer Benachteiligung. Alle drei hätten sich zudem in Gremien und Verbänden in hohem Maß sozial engagiert. „Und sie haben alle drei über viele Jahre hinweg maßgeblich zur inhaltlichen Gestaltung und damit zum Gelingen unseres jährlichen Bun-deskongresses beigetragen“, so Nießen.
Dr. med. Gabriele Trost-Brinkhues erhält die Auszeichnung für ihren jahrzehntelangen Einsatz zum Wohle von Kindern und Jugendlichen. „Die Verbesserung der gesundheitlichen und sozialen Chancengleichheit von Kindern und Jugendlichen war und ist Leitmotiv nicht nur ihrer hauptberuflichen Tätigkeit bis 2020 beim Gesundheitsamt der Stadt Aachen, sondern auch in ihren zahlreichen ehrenamtlichen Tätigkeiten auf kommunaler sowie auf Landes- und Bundesebene“, so Nießen. So leite sie beispielsweise seit über zehn Jahren den Fachausschuss Kinder- und Jugendgesundheit im BVÖGD. Außerdem engagiere sie sich intensiv in pädiatrischen Gremien und Verbänden und sei ein wichtiges Bindeglied zwischen dem ÖGD und der Kin-der- und Jugendheilkunde.
Nießen betonte, die Auszeichnung von Gabriele Trost-Brinkhues sei auch eine Würdigung für die Arbeit, die ihre Kolleginnen und Kollegen in den Gesundheitsämtern täglich zum Wohle der Kinder und Jugendlichen leisteten.
Dr. med. Elke Bruns-Philipps hat nach dem Medizinstudium zunächst eine klinische Weiterbildung zur Fach-ärztin für Strahlentherapie und danach ein berufsbegleitendes Public-Health-Studium absolviert. Im Lan-desgesundheitsamt in Hannover hat sie die Gesundheitsberichterstattung des Landes Niedersachsen auf-gebaut und war später als Abteilungsleiterin auch für die Vertrauensstelle des Epidemiologischen Krebsregisters zuständig. Sie hat im BVÖGD den Fachausschuss „Gesundheitsberichterstattung und Prä-vention“ mitgegründet und später dessen Leitung übernommen. Außerdem hat sie unter anderem als stell-vertretende Bundesvorsitzende im BVÖGD gewirkt, den wissenschaftlichen Beirat geleitet und die BVÖGD-Jahreskongresse organisiert. Seit Mitte 2022 leitet sie im Bundesministerium für Gesundheit das Referat „Öffentliche Gesundheit und Pakt für den ÖGD“. „Auch hier setzt sie sich weiter unermüdlich für die Ge-sundheit der Bevölkerung und den Ausbau des ÖGD ein“, so Nießen.
Dr. med. Michael Schäfer erhält die Medaille für seinen Einsatz um die Zahngesundheit insbesondere von Kindern und Jugendlichen. Schäfer hat im Düsseldorfer Gesundheitsamt den Kinder- und jugendzahnärztli-chen Dienst entscheidend geprägt – zunächst als Leiter des Fachbereichs und in den letzten Jahren seines hauptberuflichen Wirkens als stellvertretender und kommissarischer Amtsleiter. „Mit der zahnärztlichen Gruppenprophylaxe in Schulen und Kitas und durch die Arbeitsgemeinschaften für Zahnheilkunde werden vor Ort die wesentlichen Grundlagen für die Zahngesundheit im Erwachsenenalter gelegt. Hier wurden nicht zuletzt dank der engagierten und erfolgreichen Arbeit der zahnmedizinischen Kolleginnen und Kolle-gen in den Gesundheitsämtern in den letzten Jahren und Jahrzehnten erhebliche Fortschritte erzielt“, sagte Nießen. Er betonte, Schäfer habe sich zudem berufspolitisch stark engagiert, unter anderem als Vorsitzen-der des Bundesverbandes der Zahnärztinnen und Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes, der eng mit dem BVÖGD verbunden ist.
Johann Peter Frank, im Jahr 1745 in Rodalben geboren und 1821 in Wien gestorben, war Arzt und Begrün-der der öffentlichen Hygiene und eines sozialmedizinischen Gesundheitsdienstes. Die Johann-Peter-Frank-Medaille ist die höchste Auszeichnung des BVÖGD, die dieser seit 1972 beim jährlichen Bundeskongress verleiht.
Der ÖGD – wichtiger denn je
Pressemitteilung
Berlin, 27.04.2023
„Deutschland benötigt einen starken öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD). In der Pandemie ist dies mehr als deutlich geworden!“ Das betonte der Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), Dr. Johannes Nießen, zum Auftakt des Jahreskongresses seines Verbandes am 27. April in Potsdam.
Mit dem „Pakt für den ÖGD“ werden vom Bund bis 2026 vier Milliarden Euro für den Personalaufbau in den Gesundheitsämtern und Verbesserungen im Bereich der Digitalisierung zur Verfügung gestellt. Unter ande-rem sollen damit 5.000 Stellen in den Ämtern geschaffen werden. „Wichtig ist aber eine nachhaltige und dauerhafte Verbesserung der Personalsituation im ÖGD“, betonte Nießen. Dabei stehen Bund, Länder und Kommunen laut dem BVÖGD-Vorsitzenden gleichermaßen in der Verantwortung. „Die nächste Krise kommt bestimmt und es ist wichtig, darauf gut vorbereitet zu sein! Im Sinne der Daseinsfürsorge muss auch der ÖGD gut aufgestellt sein. Zur Gesundheitsversorgung gehören neben dem stationären und dem ambulan-ten Bereich auch die Gesundheitsämter, die dauerhaft finanziell gestärkt werden müssen“, so Nießen.
Er betonte, besonders wichtig sei für die Zukunft, die Arbeit im ÖGD für Ärztinnen und Ärzte angemessen zu bezahlen, damit sich auch in Zukunft genügend Bewerberinnen und Bewerben bei den Ämtern meldeten.
„Die Gesundheitsämter in Deutschland übernehmen viele und komplexe Aufgaben für die Menschen vor Ort“, betonte Dr. Kristina Böhm, erste stellvertretende Vorsitzende des BVÖGD. Der Infektionsschutz und das Pandemiemanagement seien bekannt, aber es gehe auch um die Erfassung und das Management von Entwicklungsdefiziten und Erkrankungen bei Kindern – Stichwort Schuleingangsuntersuchungen –, um die Betreuung von Wohnungslosen und psychisch Kranken, Trinkwasser- und Hygienekontrollen, die Betreuung von Flüchtlingen, Gesundheitsberichterstattung, Politikberatung und vieles mehr. „Das ist eine anspruchs-volle, abwechslungsreiche und sehr befriedigende ärztliche Tätigkeit“, so Böhm. Eine besondere Herausfor-derung sei dabei der Klimawandel – seine Auswirkungen auf die Gesundheit würden auch in Deutschland immer deutlicher und bedrohlicher. „Gerade hier muss der politische Raum handeln. Die Akteure vor Ort müssen regional abgestimmte Hitzeaktionspläne erarbeiten und der ÖGD kann und ist dafür mit seiner Expertise zu Krankheiten / Gesundheit und Krankheitsvermeidung ein wichtiger Partner der Politik“, so Böhm. Mögliche Handlungsfelder für ein abgestimmtes Vorgehen seien zum Beispiel die Begrünung von Stadtvierteln, die Planung beim Um- und Neubau von Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden sowie die Betreuung besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen, zum Beispiel Pflegebedürftiger, so die BVÖGD-Vize.
Der 72. Wissenschaftliche Kongress des BVÖGD findet vom 26. bis 29. April in Potsdam statt. Der Verband erwartet dazu rund 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
BVÖGD fordert mehr unterstützende Angebote für Kinder und Jugendli-che in Schulen
Pressemitteilung
Berlin, 24.04.2023
Die Kinder- und Jugendgesundheitsdienste (KJGD) der Gesundheitsämter sollten in die Lage versetzt werden, vermehrt Sprechstunden in Schulen anzubieten. Das fordert der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) im Vorfeld seines Jahreskongresses Ende April in Potsdam.
„Es zeigt sich immer wieder, dass Kinder und Jugendliche aus bereits zuvor psychosozial belasteten Familien die großen Verlierer der Corona-Pandemie sind“, erläutert Dr. Claudia Korebrits, Sprecherin des Fachausschusses KJGD im Verband. Sie betont: „Der ÖGD muss in Koordination und Vernetzung die aufholenden und stützenden Angebote ausweiten. Dazu sollten durch den Pakt für den ÖGD nicht nur der Infektionsschutz, sondern insbesondere die schulärztliche Begleitung von Kindern und Jugendlichen in Kitas und Schulen personell gestärkt werden.“
Die Gesundheit – insbesondere die psychische Gesundheit – von Kindern und Jugendlichen, hat sich durch die Pandemie und deren Maßnahmen deutlich verschlechtert. Dies geht unter anderem durch den Abschlussbericht der interministeriellen Arbeitsgruppe „Gesundheitliche Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche durch Corona“ hervor (1).
Die Arbeitsgruppe hat darin Maßnahmen empfohlen, wie Kinder und Jugendliche bei der Bewältigung der psychischen und psychosozialen Belastungen durch die COVID-19-Pandemie bestmöglich unterstützt und ihre Gesundheit und Resilienz gestärkt werden können.
Am Donnerstag, den 27. April 2023 werden in der Zeit von 11 Uhr bis 12.30 Uhr die Auswirkungen der Pandemie auf die Kindergesundheit vorgestellt und diskutiert. Dabei geht es wesentlich um die psychische Gesundheit unter anderem auf Basis der COPSY Studie der Universität Hamburg- Eppendorf (Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer).
Der Öffentliche Gesundheitsdienst ist wichtiger denn je – auch für die Bewältigung zukünftiger Krisen
Pressemitteilung
Berlin, 17.04.2023
Nach einem jahrelangen Abbau mussten die Gesundheitsämter in der Pandemie häufig improvisieren und versuchen, mit Hilfskräften und Freiwilligen ihre Aufgaben zu erfüllen. Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) weist im Vorfeld seines Jahreskongresses auf wichtige Lehren aus der Corona-Pandemie hin und fordert, diese bei der künftigen Aufstellung des ÖGD zu berücksichtigen.
Drei Dinge sind laut dem Verband für die Zukunft besonders wichtig:
1.) Die Vernetzung aller wichtigen Akteure und der digitale Informationsfluss müssen eingeübt sein und reibungslos funktionieren. Der sogenannte ÖGD-Pakt sieht dafür erhebliche Mittel vor um den Informati-onsfluss zwischen Arztpraxen, Laboren, Gesundheitsämtern und dem Robert Koch-Institut zu verbessern. Hier ist enorm viel passiert. Die Faxgeräte gehören der Vergangenheit an.
2.) Die Gesundheitsämter vor Ort benötigen klare wissenschaftlich begründete Leitlinien, wie sie in Krisen-situationen handeln sollen. Hier nimmt das neue Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (BIÖG) eine wichtige Rolle ein. Die in den Gesundheitsämter erhobenen Daten sollten in dem Institut zusammenge-führt, analysiert und aufbereitet werden. So bekommen wir Daten für Taten. Daraus lassen sich Leitlinien erstellen, die eine Anleitung für das Arbeiten vor Ort sein können.
Diese Maßnahmen müssen dann mit Hinweis auf die Leitlinien transparent kommuniziert werden.
Wichtig ist außerdem eine Qualitätskontrolle der Arbeit vor Ort – auch dafür sind die Leitlinien entschei-dend, weil sie aufzeigen, welche Maßnahmen sinnvoll sind und welche nicht.
3.) Ohne genügend qualifiziertes Fachpersonal geht es nicht. Bund, Länder und Kommunen müssen daher die Finanzierung neuer Stellen in den Gesundheitsämtern auch nach dem Auslaufen des sogenannten Pak-tes für den ÖGD über das Jahr 2026 sicherstellen – und die Entscheidung darüber rasch treffen.
„Lessons Learned“ aus der Corona-Pandemie sind ein wichtiges Thema auf dem Kongress des Bundesver-bandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes vom 26. bis 29. April in Potsdam.
Der Verband erwartet dazu rund 1.000 Besucher in Potsdam.
Plenum — Lessons learned Coronapandemie, Donnerstag 27. April, 16.30 Uhr, Kongress-Saal
Wie die Corona-Pandemie Kinder in ihrer Entwicklung ausgebremst hat
Pressemitteilung
Berlin, 11.04.2023
Jahreskongress BVÖGD
Lockdowns, Schulschließungen, Kontaktsperren: Die Folgen der Coronapandemie hat Familien besonders belastet und Kinder in ihrer Entwicklung gebremst oder sogar zurückgeworfen.
Das Ausmaß der Belastungen erfasst eine neue Erhebung, deren Ergebnisse auf dem Jahreskongress des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) Ende April in Potsdam vorgestellt werden. Eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe hat dazu 3.400 Familien im Rhein-Erft-Kreis bei Köln/Bonn anlässlich der Schuleingangsuntersuchung befragt.
„Die hohe Zahl der Antworten ermöglicht es uns, Belastungen für Familien mit Vorschulkindern repräsentativ darzustellen. Schulrelevante Vorläuferfunktionen wie sprachliche Fähigkeiten, die Visuo- und Feinmotorik können sowohl mit den Schuleingangsuntersuchung vor der Pandemie wie auch mit dem Bildungsstatus der Eltern verglichen werden. Zudem erlaubt die Erhebung einen Vergleich von subjektiver Einschätzung der Eltern mit den Daten der Schuleingangsuntersuchung“ erläutert Dr. Kirsten Kubini aus der Arbeitsgruppe.
Die Studienergebnisse werden auf dem 72. Wissenschaftlichen Kongress des BVÖGD vom 26. bis 29. April in Potsdam erstmals in der Sitzung: „Auswirkungen der Pandemie auf Kinder und ihre Familien“ vorgestellt.
Der Kongress steht unter dem Motto „Der Öffentliche Gesundheitsdienst – Wichtiger denn je!“
Auswirkungen der Pandemie auf Kinder und ihre Familien
- April 2023, 9.00 Uhr, Kongress-Saal
Wiederaufbau des Öffentlichen Gesundheitsdienstes darf kein Strohfeuer bleiben
Pressemitteilung
Berlin, 06.04.2023
Weltgesundheitstag 2023
Anlässlich des Weltgesundheitstages am 7. April fordert der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), dass Bund, Länder und Kommunen die Finanzierung neuer Stellen in den Gesundheitsämtern auch über das Jahr 2026 sicherstellen. „Der in der Corona-Pandemie begonnene Wiederaufbau des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) darf kein kurzes Strohfeuer bleiben“, fordert der BVÖGD-Vorsitzende Dr. Johannes Nießen. Gesundheitsämter sind für die Gesundheit der Bevölkerung von herausragender Bedeutung, so Nießen weiter. Sie arbeiten eng mit der Kommunalpolitik, Verwaltungen, Krankenkassen und anderen Institutionen zusammen und kümmern sich um das Wohlbefinden der Menschen vor Ort.
Der Weltgesundheitstag steht in diesem Jahr unter dem Motto „Gesundheit für alle – 75 Jahre Verbesserung der Öffentlichen Gesundheit“.
Nießen fordert anlässlich des Tages, den sogenannten ÖGD-Pakt für mehr Stellen in den Gesundheitsämtern über das Jahr 2026 hinaus zu verlängern. Der BVÖGD-Vorsitzende kritisiert eine Empfehlung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages, die Bundesmittel aus dem Pakt nicht über das Jahr 2026 zu verlängern. „Der Bund darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen. Er darf die Finanzierung zusätzlicher Stellen nicht komplett auf Länder und Kommunen abschieben“, so Nießen.
Die Corona-Pandemie hat die enorme Bedeutung eines funktionierenden ÖGD für die Gesundheit der Menschen deutlich gemacht. Die Gesundheitsämter übernehmen neben der Infektionskontrolle aber zahlreiche weitere wichtige Aufgaben – zum Beispiel die Erfassung und das Management von Entwicklungsdefiziten und Erkrankungen bei Kindern, die Betreuung von Wohnungslosen und psychisch Kranken, Trinkwasser- und Hygienekontrollen, die Betreuung von Flüchtlingen und die Gesundheitsberichterstattung – Stichwort „Daten für Taten“.
Von besonderer Bedeutung ist zudem die Beratung der Politik auf Bundes- und Landesebene sowie vor Ort in den Kommunen. „Die Gesundheit der Bevölkerung ist kein isolierter Politikbereich, sondern Gesundheit und Gesundheitsförderung müssen bei allen politischen Entscheidungen immer mitgedacht und mitberücksichtigt werden. Für diesen ‚Health-In-All-Policies-Ansatz‘ arbeiten in den Gesundheitsämtern die Expertinnen und Experten vor Ort“, so Nießen.
Bund und Länder haben im September 2020 den ÖGD-Pakt beschlossen, um die Gesundheitsämter zu modernisieren und zusätzliches Personal einzustellen. Dafür stellt der Bund ab dem Jahr 2021 bis zunächst Ende 2026 vier Milliarden Euro für Personal, Digitalisierung und moderne Strukturen zur Verfügung.
ÖGD wichtiger denn je – auch für den Umgang mit dem Klimawandel
Pressemitteilung
Berlin, 03.04.2023
Klimawandel und Gesundheit
Die Auswirkungen des Klimawandels werden auch in Deutschland immer spürbarer. Neben Extremwetterereignissen nehmen klimabedingten Hitzewellen zu, die vor allem für ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen gefährlich sind.
„Es ist jetzt wichtig, dass der Bund Rahmenvorgaben für den Hitzeschutz macht. Akteure vor Ort sollten auf dieser Basis regional abgestimmte Hitzeaktionspläne erarbeiten“, erläutert die erste stellvertretende Vorsitzende des Verbandes, Dr. Kristina Böhm. Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) ist mit seiner Expertise zu Krankheit und Krankheitsvermeidung laut dem BVÖGD ein wichtiger Partner für Ort. „Die Fragen der öffentlichen Gesundheit sollten in allen Politikfeldern eine Rolle spielen – gerade auch bei der Anpassung unserer Gesellschaft an den Klimawandel“, so Böhm. „Dieser sogenannte Health in All Policies-Ansatz umfasst zum Beispiel die Begrünung von Stadtvierteln, die Planung beim Um- und Neubau von Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden und die Betreuung besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen, zum Beispiel Pflegebedürftiger“, so die Expertin.
Das Thema „Klimawandel und Gesundheit“ spielt eine wesentliche Rolle beim Kongress des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes vom 26. bis 29. April in Potsdam. Neben Expertinnen und Experten aus dem ÖGD wird der Arzt, Wissenschaftsjournalist und Gründer der Stiftung gesunde Erde – gesunde Menschen, Dr. Eckart von Hirschhausen, eine Keynote zum Thema „Wie bringen wir planetare Gesundheit in die Köpfe, Herzen und Kommunen?“ halten.
Zum 72. Wissenschaftlichen Kongress des BVÖGD vom 26. bis 29. April erwartet der Verband rund 1.000 Besucher in Potsdam.
Plenum Klima und Gesundheit, 28. April, 10.15 Uhr, Kongress-Saal
BVÖGD fordert Weiterfinanzierung neuer Stelle über das Jahr 2026 hinaus
Pressemitteilung
Berlin, 31.03.2023
Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) fordert Bund, Länder und Kommunen auf, die Finanzierung neuer Stellen in den Gesundheitsämtern auch über das Jahr 2026 sicherzustellen. Hintergrund ist die gestrige Empfehlung des Haushaltsausschusses des Deutschen Bundestages, die Bundesmittel aus dem Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD-Pakt) nicht über das Jahr 2026 zu verlängern.
„Die Corona-Pandemie hat die enorme Bedeutung eines funktionierenden ÖGD für die Gesundheit der Menschen allen klar deutlich gemacht. Die Mittel aus dem ÖGD-Pakt dienen dazu, die Ämter für die Zukunft aufzustellen und den jahrelangen Stellenabbau zumindest teilweise auszugleichen. Dieser Aufbau darf kein kurzes Strohfeuer bleiben“, betont der BVÖGD-Vorsitzende Dr. Johannes Nießen.
Der ÖGD hat neben der Infektionskontrolle zahlreiche weitere wichtige Aufgaben – zum Beispiel die Erfassung und das Management von Entwicklungsdefiziten und Erkrankungen bei Kindern, die Betreuung von Wohnungslosen und psychisch Kranken, Trinkwasser- und Hygienekontrollen, die Betreuung von Flüchtlingen, Gesundheitsberichterstattung, Politikberatung und vieles mehr.
„Die Gesundheitsämter brauchen schnell Planungssicherheit. Sonst wird es wegen des Fachkräftemangels noch nicht einmal möglich sein, die mit dem ÖGD-Pakt geschaffenen Stellen jetzt zu besetzen“, so Nießen
Abdruck honorarfrei – Beleg erbeten
Pressekontakt
BVÖGD
Multiprofessionelle Teams an Schulen – Chance für Kinder und Jugendliche (und LehrerInnen)
Pressemitteilung
Berlin, 21.03.2023
Die Schulen in Deutschland benötigen multiprofessionelle Unterstützung in der Vermittlung, wie Kinder und Jugendliche ihre Gesundheit erhalten oder mit vorhandenen gesundheitlichen Einschränkungen umgehen können. Das fordert der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) im Vorfeld seines Jahreskongresses Ende April in Potsdam.
„Die Schule ist einer der Hauptlebensräume, in denen Kinder und Jugendliche sich aufhalten und geprägt werden. Gesundheit und gesundheitsförderliches Verhalten muss hier – wie in anderen Lebenswelten auch – eine wichtige Rolle spielen“, betont Dr. Gabriele Trost-Brinkhues aus dem Fachausschuss Kinder- und Jugendgesundheitsdienst des Verbandes.
Lehrerinnen und Lehrer können dies laut dem Fachausschuss allein nicht leisten – die Gesundheitsämter vor Ort ebenfalls nicht, zumindest nicht in dem Umfang, der nötig wäre. „Deshalb brauchen wir vermehrt Schulgesundheitsfachkräfte, die an der Schnittstelle zwischen Bildung (Schule) und Gesundheit (medizinische und psychosoziales Versorgungsangebot vor Ort) arbeiten“, so Dr. Gabriele Elsäßer, Präsidentin der European Union for School and University Health and Medicine. Dass diese Fachkräfte einen hohen Benefit für den Bildungserfolg der Schülerinnen und Schüler haben, zeigten Evaluationsberichte aus Modellprojekten, zum Beispiel in Brandenburg und Hessen, Rheinland Pfalz, Bremen und Hamburg.
Aber sind Gesundheitsthemen nicht bereits Teil des Unterrichts in verschiedenen Fächern? Zum Beispiel die Sexualkunde im Biologieunterricht, Bewegungsförderung im Sportunterricht und so fort?
Dies genügt bei weitem nicht. Prävention und Gesundheitsförderung müssen weit über die Vermittlung von theoretischen Unterrichtsinhalten hinausgehen. Damit sie das Verhalten und den Alltag der Schülerinnen und Schüler prägen können, braucht es die Verantwortungsübernahme der Kinder und Jugendlichen für die eigene Gesundheit, also die Stärkung ihrer Gesundheitskompetenz“, so Trost-Brinkhues.
Schulgesundheitsfachkräfte tragen laut dem BVÖGD maßgeblich zu einem gesundheitsförderlichen und sicheren Schulklima bei: Besonders profitieren chronisch kranke Schülerinnen und Schüler, da sie direkt vor Ort eine Ansprechperson haben, die sie fachkompetent gesundheitlich unterstützen kann. Dies fördert nachweislich die Rückkehr in den Unterricht und macht Inklusion erfahrbar.
Die Erfahrungen mit dem Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften, ihre Qualifikation und die gesundheitliche Entwicklung von Schülerinnen und Schülern nach der Pandemie diskutieren Expertinnen und Experten des öffentlichen Gesundheitsdienstes auf dem 72. Wissenschaftlichen Kongress des BVÖGD vom 26. bis 29. April. Der Verband erwartet zum Kongress rund 1.000 Besucher in Potsdam.
Multiprofessionelle Teams in Schulen – eine Chance für die schulärztliche Betreuung mit dem
Kinder- und Jugendgesundheitsdienst
BVÖGD-Kongress Potsdam, 28. April 15.15 Uhr, Kongress-Saal
Kinderschutz in der Lebensmittelwerbung: Höchste Zeit zu handeln!
Pressemitteilung
Berlin, 16.03.2023
Der Berufsverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) e.V. unterstützt die Pläne des Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft Cem Özdemir zur Beschränkung der Lebensmittelwerbung ausdrücklich.
Herr Dr. Johannes Nießen, Vorsitzender des BVÖGD, bekräftigt: „Länger auf die freiwillige Selbstregulierung der Lebensmittelindustrie zu setzen, ist blauäugig und verkennt die schädliche Wirkung von Werbung für zu süße, zu salzige und zu fettige Lebensmittel auf die Gesundheit unserer Kinder.“
Der BVÖGD schließt sich mit seinem Appell zahlreichen Expert*innen aus Wissenschaft, Gesundheitswesen und Verbraucherschutz an. Übergewicht bei Kindern ist laut dem Verband auch aus bevölkerungsmedizinischer Sicht überaus relevant.
„Wir dürfen die betroffenen Familien hiermit nicht alleine lassen. Vielmehr bedarf es hier nun endlich politischer Maßnahmen. Aus Sicht des BVÖGD wäre es ein großer Beitrag für die Kindergesundheit, wenn die Koalitionspartner den Vorstoß des Ministers unterstützen, denn es ist höchste Zeit zu handeln“, so Nießen.
BVÖGD fordert stichprobenartige Tests bei Einreisen nach Deutschland
Pressemitteilung
Berlin, 03.01.2023
Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) empfiehlt, Touristen, Geschäftsreisende und andere bei der Einreise nach Deutschland stichprobenhaft auf eine Infektion mit SARS-CoV-2 zu testen. Bei einem positiven Testergebnis sollte die Virusvariante bestimmt werden. Dies sollte für Reisende aus China und aus Ländern mit vergleichbarem Infektionsgeschehen gelten.
Für diese Überwachung ist es laut dem BVÖGD auch sinnvoll, das Abwasser an Flughäfen und aus Flugzeugen regelhaft auf das Virus zu untersuchen. Diese Maßnahmen dienen der Erkenntnisgewinnung.
„Bitte kein Blindflug – wir sollten wissen, welche Virusvarianten ins Land kommen“, sagte der Verbandsvorsitzende Dr. Johannes Nießen.
Er betonte aber, dass im Augenblick keine neuen Virusvarianten in China bekannt seien. Zudem sei die Immunität gegen SARS-CoV-2 in Deutschland wegen einer hohen Impfquote und vielen Genesenen gut. „Zu Panik besteht keinerlei Anlass“, so Nießen
Stellungnahme des BVÖGD zum Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit der Vierten Verordnung zur Änderung der Coronavirus-Testverordnung
Stellungnahme vom 22. August 2022
Stellungnahme als PDF
Sehr geehrte Damen und Herren,
anbei übersende ich Ihnen die Stellungnahme des BVÖGD zum Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit der Vierten Verordnung zur Änderung der Coronavirus-Testverordnung.
Zu den geplanten Änderungen äußern wir uns wie folgt:
Zu den geplanten Änderungen in § 7:
1. Die Aufnahme des RKI als zweiten Adressaten für die von den zuständigen Stellen des ÖGD entgegengenommenen Daten der Teststellenbetreiber wird als unproblematisch eingeschätzt, so lange sich dadurch Art und Umfang und Format der Daten nicht ändert.
Zu den geplanten Änderungen in § 7a:
1. Zu den geplanten Ergänzungen nach Abs. 1 Satz 3:
Die Reduktion des Prüfauftrags an die Kassenärztlichen Vereinigungen wird nicht befürwortet. Da die KVen diese Prüfungen bisher durchgeführt und deshalb die Kompetenz aufgebaut haben, ist nicht nachvollziehbar, dass diese Aufgabe ohne Planung und Finanzierung einer Ressourcenzusetzung jetzt zum ÖGD übergehen soll. Hierzu sieht sich der ÖGD nicht in der Lage.
Unverständlich ist darüber hinaus, wieso damit keine Reduktion des
Vewaltungskostenersatzes für die Kassenärztlichen Vereinigungen einhergeht (für § 8 sind
keine Veränderungen geplant).
2. Zum geplanten neuen Abs. 1a:
Die Benennung einer zentralen Stelle zur statistischen Analyse und Bewertung der im Rahmen der Abrechnung der Testungen nach § 4a TestV übermittelten Daten wird begrüßt.
3. Zum geplanten neuen Abs. 1b:
Im Referentenentwurf ist zu lesen, dass „die zuständigen Stellen des öffentlichen Gesundheitsdienstes“ – das werden in der Regel die kommunalen Gesundheitsämter sein – zukünftig auch für die vertiefte Überprüfung von Auffälligkeiten bzw.
Abrechnungsunregelmäßigkeiten bei den Teststellen zuständig zu sein sollen.
Zwar fällt die Überwachung der Einhaltung hygienischer und medizinischer Standards in die Zuständigkeit der Gesundheitsämter. Private Teststellen auf wirtschaftliche Unregelmäßigkeiten zu kontrollieren liegt hingegen nicht in der Kompetenz der Gesundheitsämter und kann nicht regelhaft Aufgabe des ÖGD ohne Ermessensspielraum werden. Die erforderliche wirtschaftliche Prüfungskompetenz ist weder quantitativ noch qualitativ vorhanden. Der ÖGD verfügt über keinerlei Erfahrung in der Durchführung und
Überprüfung von Leistungsabrechnungen wie die KVen. Notwendig wäre hier eine Kooperation zwischen den regionalen KV, der lokalen Staatsanwaltschaft und dem lokalen Gesundheitsamt, um den Abrechnungsbetrug gemeinsam zu bearbeiten.
Darüber hinaus entsteht durch diese neu angedachte Aufgabe ein Personalmehrbedarf im ÖGD. Dieser ist bei der Übertragung der neuen Aufgabe nicht bedacht worden. Die unerwünschte Folge dieser neuen Konstruktion wäre, dass die Wahrnehmung von Aufgaben durch die kommunalen Gesundheitsämter noch stärker als bisher eingeschränkt werden müsste und auch die Wahrnehmung gesetzlicher Pflichtaufgaben nicht mehr ausreichend gewährleistet werden könnte.
Mit freundlichen Grüßen
Gez. Dr. Johannes Nießen