Eine Notwendige Initiative anlässlich des Europawahlprogramms der AfD
Die Menschenwürde ist migrationspolitisch nicht zu relativieren.
(Bundesverfassungsgericht, 2012)
Stellungnahme von im Gesundheitswesen tätigen Menschen und Organisationen zum von der AfD wiederholt behaupteten Zusammenhang von Zuwanderung und Gesundheitsgefährdungen durch übertragbare Krankheiten.
Gegen gezielte Angstmache vor den „Fremden“ gibt es nur einen Schutz: der AfD bei jeder Gelegenheit zeigen, dass sie keineswegs eine „Alternative“ für „besorgte Bürger*innen“ ist, sondern eine Partei, die sich von demokratischen Wegen der Politik bewusst immer weiter entfernt. Die Europawahl ist eine Gelegenheit, dies unmissverständlich deutlich zu machen. Auch zum 70. Jahrestag des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland bleibt es notwendig, dass wir uns für die zentrale Bedeutung des Schutzes der Menschenwürde und Menschenrechte einsetzen.
Stellungnahme von im Gesundheitswesen tätigen Menschen und Organisationen als PDF
Stellungnahme des BVÖGD zum ersten Referentenentwurf des BMG
„Entwurf eines Gesetzes für den Schutz vor Masern und zur Stärkung der Impfprävention – Masernschutzgesetz“
Stellungnahme des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) zu einzelnen gesetzlichen Änderungen im ersten Referentenentwurf (05.05.2019)
Stellungnahme des BVÖGD zum Referentenentwurf des Bundesministeriums für Gesundheit als PDF
Der BVÖGD unterstützt das übergeordnete Ziel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Elimination der Masern (und Röteln) in Deutschland und somit auch den Referentenentwurf als Vorstoß, dieses Ziel zu erreichen.
Vor dem Hintergrund der seit Jahren nicht erreichten erforderlichen Durchimpfungsraten und angesichts der aktuellen Masernausbrüche kann die Akzeptanz für eine Masernimpfpflicht in der Bevölkerung erhöht werden, wenn die Dauer der Impfpflicht bei Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung an die Erreichung der Maserneradikation und die Etablierung flankierender Maßnahmen geknüpft wird.
Flankierende Möglichkeiten zur Steigerung von Impfraten sind bisher nicht ausgeschöpft. Diese Möglichkeiten werden z. B. in der Verbesserung des Impfmanagements, der Einführung des elektronisches Impfausweises auf der Krankenversichertenkarte und der Einführung von Recall-Systemen in Arztpraxen, der Abrechenbarkeit von Impfleistungen unabhängig von der Fachrichtung und in der flächendeckenden Etablierung von subsidiären Angeboten von Impfberatung und Impfungen durch den Öffentlichen Gesundheitsdienst, nicht nur für Kinder und Jugendliche, gesehen.
Personal in Gemeinschaftseinrichtungen sowie in allen medizinischen Einrichtungen mit Patientenkontakten sollte grundsätzlich und verpflichtend geimpft sein.
Der Öffentliche Gesundheitsdienst sieht sich als Dienstleister bei der Sicherstellung des Gesundheitsschutzes der Bevölkerung, als unmittelbarer Akteur in der Prävention und als fachlicher Berater der Bundes-, Landes- und kommunalen Politik. Um diese Aufgaben umfassend wahrzunehmen zu können, ist der Öffentliche Gesundheitsdienst so zu stärken, wie es in den Beschlüssen der Gesundheitsministerkonferenz bereits seit Jahren festgehalten wurde.
Besserer Masernschutz braucht mehr Personal im Gesundheitsamt!
Pressemitteilung
Berlin, 8. Mai 2019
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat einen Entwurf zum Masernschutzgesetz vorgelegt. Das Anliegen, die Masern in Deutschland auszurotten, wird vom BVÖGD unterstützt. Um dieses Vorhaben umzusetzen, benötigen die knapp 400 Gesundheitsämter allerdings ausreichend Personal.
Hintergrund ist, dass der öffentliche Gesundheitsdienst in der Vergangenheit insbesondere beim ärztlichen Personal abbauen musste.
Die Vorsitzende des BVÖGD, Dr. Ute Teichert, sagt:
„Wir begrüßen die Initiative des Bundesgesundheitsministers für den Schutz vor Masern und zur Stärkung der Impfprävention. Die Verknüpfung des Impfschutzes mit dem Besuch von Kindertagesstätten und Schulen halten wir für richtig und ebenso die verpflichtende Impfung für Personal in Gemeinschaftseinrichtungen, Medizin und Pflege.“
Allerdings stehen die Gesundheitsämter in Deutschland vor einem personellen Kollaps. In den letzten zwei Jahrzehnten ist die Zahl der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst drastisch zurückgegangen. Nach der neuesten Statistik der Bundesärztekammer waren Ende 2018 in den Gesundheitsämtern nur noch 2.519 Medizinerinnen und Mediziner beschäftigt – rund 1/3 weniger als vor 20 Jahren! In vielen Gesundheitsämtern führt der Ärztemangel bei gleichzeitiger Aufgabenausweitung im Infektionsschutz und in anderen Bereichen zu einer permanenten Überlastung des vorhandenen Personals und droht sich weiter zu verschärfen.
Es bedarf nun erheblicher personeller Aufstockungen in allen Gesundheitsämtern, um diese wichtige gesetzliche Aufgabe zur Verbesserung des Impfschutzes zukünftig umzusetzen.
Interview auf Anfrage! – Kontaktdaten für Rückfragen: Bundesgeschäftsstelle siehe unten
Abdruck honorarfrei – Beleg erbeten
Kundgebung auf dem Römerberg mit über 5.000 Ärztinnen und Ärzten
Frankfurt, 10. April 2019
Wir Ärztinnen und Ärzte sind keine Bittsteller – möchten unsere berechtigten Forderungen erfüllt sehen.
Daher sind mehrere tausend Ärztinnen und Ärzte aus dem gesamten Bundesgebiet dem Aufruf des Marburger Bundes zu einem Warnstreik mit zentraler Kundgebung am 10. April 2019 gefolgt.
Auch der ÖGD und die Gesundheitsämter beteiligen sich am MB Ärztestreik





Aufruf zur Teilnahme an der Kundgebung am 10. April in Frankfurt/Main
Am 13. März 2019 hat die Vereinigung der Kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) der Verhandlungskommission des Marburger Bundes ein Angebot unterbreitet, das wesentliche Forderungen der Ärztinnen und Ärzte schlicht ignoriert. Die VKA hat durch dieses Angebot und ihr Verhalten das Scheitern der Verhandlungen provoziert. Gemeinsam werden wir der VKA nun zeigen müssen, dass wir Ärztinnen und Ärzte keine Bittsteller sind, sondern unsere berechtigten Forderungen erfüllt sehen wollen. Der Marburger Bund ruft deshalb zu einem Warnstreik mit zentraler Kundgebung auf am
10. April 2019
von 13:00-15:00 Uhr
Frankfurt/Main
Es ist wichtig, dass möglichst viele Kolleginnen und Kollegen aus dem ÖGD sich an der Kundgebung beteiligen, damit wir als ÖGD auch nach außen sichtbar sind.
Auch wenn Sie nicht streiken können, da Sie beispielsweise einen Tarifvertrag im TV-L unterliegen oder verbeamtet sind:
in Ihrer Freizeit (Gleitzeit oder Urlaub) können Sie selbstverständlich an der Kundgebung teilnehmen!
Der MB hat ein Merkblatt FAQ zum Warnstreik veröffentlicht, das finden Sie hier:
- Streik als legales Arbeitskampfmittel – auch für Ärzte!
Antworten auf zentrale Fragen zur Durchsetzung von Tarifinteressen - FAQ zum ganztägigen Warnstreik am 10. April 2019
Fragen aus dem ÖGD zum Thema Streik und Kundgebung richten Sie bitte direkt an unsere Geschäftsstelle.
Kasseler Appell 2019
Pressemitteilung
Kassel, 4. April 2019
–– Kasseler Appell ––
Weiteres Ausbluten der Gesundheitsämter muss gestoppt werden!
Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst fordern Bezahlung nach Ärztetarif!
Einen eindringlichen Appell richtet der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) an die politisch Verantwortlichen. Dies geschah auf dem 69. Wissenschaftlichen Kongresses in Kassel.
Die Vorsitzende des BVÖGD, Dr. Ute Teichert sagte:
„ Die Gesundheitsämter in Deutschland stehen vor einem Kollaps. In den letzten zwei Jahrzehnten ist die Zahl der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst drastisch zurückgegangen. Nach der neuesten Statistik der Bundesärztekammer waren Ende 2018 in den knapp 400 deutschen Gesundheitsämtern nur noch 2.519 Medizinerinnen und Mediziner beschäftigt – rund 1/3 weniger als vor 20 Jahren. Das sind lediglich 0,6 Prozent aller berufstätigen Ärztinnen und Ärzte in Deutschland. Von den 784 noch berufstätigen Fachärztinnen und Fachärzten für Öffentliches Gesundheitswesen sind 343 (rd. 44 Prozent) älter als 60 Jahre und werden sich in wenigen Jahren im Ruhestand befinden.“
In vielen Gesundheitsämtern führt der Ärztemangel längst zu einer permanenten Überlastung des vorhandenen Personals und droht sich weiter zu verschärfen. Der ÖGD blutet buchstäblich aus. Seit dem ende des letzten Jahres muss das Gesundheitsamt im thüringischen Unstrut-Hainich-Kreis völlig ohne Ärzte auskommen. Leider kein Einzelfall. Im ganzen Bundesgebiet fehlen im öffentlichen Dienst arbeitende Ärzte.
Dies zeigt: Es ist bereits fünf nach zwölf!
Der Gesundheitsschutz der Bevölkerung steht auf dem Spiel! Die Aufgaben des ÖGD können nur dann wirksam wahrgenommen werden, wenn die Gesundheitsämter vor Ort über die nötigen personellen und finanziellen Ressourcen verfügen.
Wie wichtig Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Dienst sind, zeigen ihre vielfältigen Aufgaben:
Sie untersuchen Kinder vor der Einschulung, sorgen dafür, dass sich Infektionskrankheiten wie Tuberkulose oder Salmonellen nicht verbreiten, überprüfen die Trinkwasserqualität und sorgen für die Einhaltung der Hygienevorschriften in ambulanten und stationären Einrichtungen.
Viele Gesundheitsämter können die Überwachung von Kliniken und Arztpraxen kaum noch bewerkstelligen. Dringend erforderliche Verbesserungen beim Impfschutz der Bevölkerung stoßen an Grenzen. Hierfür müssen Gesundheitsämter in Schulen und Kitas durch Aufklärung und eigene Impfaktionen in die Lage versetzt werden, aktiv vor Ort tätig zu werden.
Die zentrale Ursache dieser dramatischen Entwicklung ist die schlechte Bezahlung der Kolleginnen und Kollegen des ÖGD im Vergleich zu den Klinikärzten. Die Ärzte in den Gesundheitsämtern werden nicht nach dem Tarifvertrag für Ärzte bezahlt werden, was einen finanziellen Verlust bis zu 1.500 € im Monat bedeutet. Deshalb fordert der BVÖGD die tarifliche Gleichstellung mit den Ärztinnen und Ärzten in den kommunalen Krankenhäusern durch einen Tarifvertrag mit dem Marburger Bund.
Ärztinnen und Ärzte im ÖGD sind keine Ärztinnen und Ärzte zweiter Klasse!
Wir fordern daher ein Ende der Verweigerungshaltung der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA).
Statt mit dem Marburger Bund über die substanzielle Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Kolleginnen und Kollegen in den Gesundheitsämtern zu verhandeln, bewegt sich die VKA keinen Zentimeter.
Lippenbekenntnisse zur Stärkung des ÖGD helfen nicht mehr weiter.
Jetzt muss endlich gehandelt werden! Die Ärztinnen und Ärzte müssen besser bezahlt werden!
Pressespiegel: Mediziner warnen vor Ärztemangel – Gesundheitsämtern droht Kollaps
zdf heute, 04.04.2019
2.500 Ärzte arbeiten derzeit in deutschen Gesundheitsbehörden – ein Drittel weniger als noch vor 20 Jahren. Mediziner warnen vor den Folgen des Mangels.
hessenschau, 04.04.2019
Zum kompletten Video (ab ca. 09:55)
Süddeutsche Zeitung, 04.04.2019
Mediziner warnen vor Kollaps der Gesundheitsämter
Ärzte Zeitung online, 04.04.2019
Ärzte warnen vor Kollaps im ÖGD
Frankfurter Allgemeine, 04.04.2019
Gesundheitsämtern droht Kollaps wegen Ärztemangels
ärzteblatt.de, 04.04.2019
Gesundheitsämtern droht Kollaps
Welt.de, 04.04.2019
Gesundheitsämtern droht Kollaps durch Ärztemangel
t-online.de, 04.04.2019
Mediziner warnen vor Kollaps der Gesundheitsämter
RP Online, 04.04.2019
Gesundheitsämtern droht Kollaps wegen Ärztemangels
web.de, 04.04.2019
Gesundheitsämtern droht Kollaps wegen Ärztemangels
Ludwigsburger Kreiszeitung, 04.04.2019
Gesundheitsämtern droht Kollaps wegen Ärztemangels
PZ Pharmazeutische Zeitung, 05.04.2019
Mediziner warnen vor Kollaps
HNA.de – Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA), 05.04.2019
In ganz Deutschland fehlt es an Ärzten in den Gesundheitsämtern. Vor den Folgen warnten am Donnerstag rund 300 Mediziner des öffentlichen Gesundheitsdienstes aus ganz Deutschland in Kassel
Grünen-Politikerin: Impfpflicht ein Eingriff in die Grundrechte
Die Bundesregierung überlegt eine Impfpflicht einzuführen, um gefährliche Krankheiten wie Masern endlich auszurotten. Diese Forderung sei absolut unverhältnismäßig, sagte die Grünen-Politikerin Meta Janssen-Kucz im Dlf. Man könne nicht das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit einfach aushebeln.
Tag des Gesundheitsamtes – Um den ÖGD steht es schlecht
Große Sorgen um den Öffentlichen Gesundheitsdienst äußern Bundesärztekammer und Robert Koch-Institut anlässlich des ersten „Tags des Gesundheitsamtes“ am 19. März.
BERLIN. Um den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) steht es nach Auffassung der Bundesärztekammer (BÄK) und des Robert Koch-Instituts (RKI) schlecht.
„Der ÖGD ist Opfer seines eigenen Erfolgs“, teilte die BÄK anlässlich des ersten „Tags des Gesundheitsamts“ am Dienstag (19. März) mit.
„Regelmäßig loben ihn Politiker für seine Verdienste um Gesundheitsschutz, Prävention und Gesundheitsmanagement – und bürden ihm immer neue Aufgaben auf. Gleichzeitig nehmen aber die für seine Aufgabenwahrnehmung dringend erforderlichen personellen und finanziellen Ressourcen ab“, sagte BÄK-Vorstand Dr. Susanne Johna, Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Öffentlicher Gesundheitsdienst“ laut einer Mitteilung.
Johna fordert bessere Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte im ÖGD
Pressemitteilung der Bundesärztekammer
Tag des Gesundheitsamtes
Johna fordert bessere Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst
Berlin, 18.03.2019 – „Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) ist Opfer seines eigenen Erfolgs. Regelmäßig loben ihn Politiker für seine Verdienste um Gesundheitsschutz, Prävention und Gesundheitsmanagement – und bürden ihm immer neue Aufgaben auf. Gleichzeitig nehmen aber die für seine Aufgabenwahrnehmung dringend erforderlichen personellen und finanziellen Ressourcen ab.“ Das sagte Dr. Susanne Johna, Mitglied im Vorstand der Bundesärztekammer und Vorsitzende der Arbeitsgruppe „Öffentlicher Gesundheitsdienst“, zum 1. Tag des Gesundheitsamtes am 19. März 2019.
Johna begrüßte, dass einige Bundesländer die Initiative ergriffen hätten, Landesämtern und Gesundheitsämtern über die regulären Stellenpläne hinaus Weiterbildungsstellen für Ärztinnen und Ärzte vorzuhalten. Das reiche aber nicht. In den vergangenen Jahren seien kontinuierlich Arztstellen weggefallen. Freie Stellen könnten nur schwer oder teilweise gar nicht nachbesetzt werden. „Ein Grund ist die schlechtere Vergütung. Wir brauchen dringend eine tariflich abgesicherte Angleichung der Vergütung an die arztspezifischen Tarifverträge der kommunalen Krankenhäuser“, fordert Johna. Eine angemessene Bezahlung sei Grundvoraussetzung, um hochqualifizierte Ärztinnen und Ärzte für den ÖGD zu gewinnen und zu halten. Notwendig sei zudem, dass Länder und Kommunen eine Mitarbeiter-Statistik in den Landes- und Gesundheitsämtern führen.
„Wir sollten aber auch die vielen positiven Aspekte, die die ärztlichen Aufgaben im ÖGD mit sich bringen, herausstellen, um auch junge Kolleginnen und Kollegen für das Fach zu begeistern“, so Johna. Es sei wichtig, Studierende bereits an der Universität über das vielseitige Tätigkeitsspektrum des ÖGD zu informieren. So fungiere er über seine Kernkompetenzen im Bereich der bevölkerungsmedizinischen Daseinsfürsorge hinaus zum Beispiel vielerorts als Berichterstatter und Berater der Kommunalen Gesundheitskonferenzen. Auch auf anderen Gebieten ist die Expertise der Amtsärzte gefragt: vom Kinderschutz über Hygienemaßnahmen bis zur Pandemieplanung. Globalisierung, demografischer Wandel, Veränderungen im Sozialgefüge und neue Lebensstile bringen weitere wichtige Aufgaben mit sich.
In einem Positionspapier zur Stärkung der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes hat die Bundesärztekammer neben einer Aufgabenbeschreibung konzeptionelle Vorschläge erarbeitet und an Bund, Länder und Kommunen appelliert, für eine adäquate finanzielle, materielle und personelle Ausstattung des ÖGD zu sorgen.
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Noch schwere Brocken aus dem Weg zu räumen
Pressemitteilung Marburger Bund zur Auftaktrunde der Tarifverhandlungen zwischen MB und VKA
vom 21. Januar 2019
„Auf uns wartet noch ein hartes Stück Arbeit.“ So resümierte Rolf Lübke, Verhandlungsführer des Marburger Bundes, die erste Verhandlungsrunde mit der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) für die rund 55.000 Ärztinnen und Ärzte in den kommunalen Krankenhäusern. „Es gibt noch viel Klärungsbedarf und auch ein paar schwere Brocken aus dem Weg zu räumen. Das hat der heutige Tag gezeigt. Die VKA muss erkennen, dass die von uns angestrebte Reform tarifvertraglicher Regelungen im Bereitschaftsdienst dazu dient, die Arbeitsbedingungen substanziell zu verbessern. Unsere Mitglieder an den kommunalen Kliniken verlangen mehr Planungssicherheit und eine spürbare Reduktion der Gesamtarbeitsbelastung“, erklärte Lübke.
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„Gesundheitsämter bluten aus“ – Protest vor dem Roten Rathaus in Berlin
Ärztinnen und Ärzte des ÖGD, der Feuerwehr und der Polizei protestieren gemeinsam mit dem Marburger Bund vor dem Roten Rathaus für Arzttarife
Die Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD), bei der Feuerwehr und der Polizei machen mobil: In acht Städten fanden in den vergangenen Monaten Protestkundgebungen gegen die tarifvertragliche Ungleichbehandlung der Ärzte im ÖGD und die fortschreitende personelle Auszehrung der Gesundheitsämter statt. Heute erreichte der Protest schließlich Berlin: Vor dem Roten Rathaus machten Ärztinnen und Ärzte aus Berlin und anderen Teilen der Republik auf ihre schlechte Arbeitssituation aufmerksam.
Zu der Abschlusskundgebung hatte der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) aufgerufen. Unterstützt wurde der Protest von der Ärztegewerkschaft Marburger Bund. Beide Verbände forderten Politik und kommunale Arbeitgeber auf, die Ärztinnen und Ärzte im ÖGD endlich ihren Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern und im Medizinischen Dienst der Krankenversicherung tariflich gleichzustellen.
Weil die Fachärzte in den Gesundheitsämtern nicht nach dem branchenüblichen Tarifvertrag für Ärzte bezahlt würden und teilweise mehr als 1.000 Euro weniger verdienten, verliere der ÖGD dramatisch an Attraktivität. In vielen Ämtern sei der Ärztemangel längst angekommen und drohe sich weiter zu verschärfen, warnten BVÖGD und Marburger Bund.
- Die personelle Ausstattung der Gesundheitsämter sinkt ständig.
- In den vergangenen 18 Jahren ist die Gesamtzahl der Ärzte im ÖGD um rund ein Drittel zurückgegangen.
- Ein Blick auf die Altersverteilung zeigt, dass spätestens in 10 Jahren die meisten der heute noch aktiven ÖGD-Ärzte im Ruhestand sein werden.
- Nachwuchs gibt es durch den allgemeinen Ärztemangel und die gravierend schlechtere Bezahlung im Öffentlichen Gesundheitsdienst kaum.
- Der ÖGD blutet buchstäblich aus. So kann und so darf es nicht weitergehen.
- Wir fordern eine gerechte Entlohnung unserer ärztlicher Arbeit, die tagtäglich mit einer hohen Verantwortung für die Gesundheit der Bevölkerung verbunden ist“, sagte Dr. Ute Teichert, Vorsitzende des BVÖGD.
Der Ärztemangel sei nicht nur ein Problem für die Gesundheitsämter, sondern aufgrund der vielfältigen und wichtigen Aufgaben, die für die Bevölkerung bewältigt werden müssen, ein großes gesellschaftliches Problem, bekräftigte auch Rudolf Henke, 1. Vorsitzender des Marburger Bundes – Bundesverband.
„Es geht bei diesem Protest nicht um die spezifischen Interessen einer einzelnen Berufsgruppe, sondern um die Sicherstellung wichtiger öffentlicher Gesundheitsdienstleistungen, die allen Bürgerinnen und Bürger zugutekommen. Dazu gehören beispielsweise die Aufklärung, Beratung, Erkennung, Verhütung und Bekämpfung von übertragbaren Erkrankungen, aber auch sozialpsychiatrische Leistungen für Menschen, die sonst keine Hilfe bekommen würden. Es steht die Existenz und Handlungsfähigkeit der Gesundheitsämter auf dem Spiel, wenn die Arbeit im ÖGD finanziell nicht aufgewertet wird. Deshalb kämpfen wir als Marburger Bund für die sofortige tarifliche Gleichstellung der Ärzte im ÖGD mit den Ärzten in Krankenhäusern“, erklärte Henke.
Heftige Kritik an der Schaukelpolitik des Berliner Senats gegenüber dem ÖGD übte der Landesvorsitzende des Marburger Bundes Berlin/Brandenburg, Dr. Peter Bobbert.
„Wir haben fest an das Versprechen des Senats glaubt, die Ärzte in den Berliner Gesundheitsämtern an die Tarife ihrer Kolleginnen und Kollegen in den Krankenhäusern anzugleichen. Von diesem Versprechen ist faktisch nichts übrig geblieben. Ich kann dem Senat deshalb versprechen, dass wir keine Ruhe geben werden, bevor nicht die Ärztinnen und Ärzte im ÖGD, bei der Feuerwehr und der Polizei arztspezifische Gehälter bekommen. Genau das praktiziert nunmehr die Senatsregierung in Bremen. Diesem Beispiel muss Berlin jetzt endlich folgen“, forderte Bobbert.
Wenn nicht bald etwas geschieht, dann ist ÖGD bald nicht mehr handlungsfähig.