Spezialistinnen und Spezialisten für die Gesundheit in der Kommune
Pressemitteilung
Berlin, 15.03.2023
Gesundheitsämter sind von herausragender Bedeutung für die Gesundheit der Bevölkerung. Sie kümmern sich um das Wohlbefinden der Menschen vor Ort und arbeiten mit der Politik, Verwal-tungen, Krankenkassen und anderen an einer gesundheitsfördernden Lebenswelt mit. Darauf weist der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) zum Tag des Gesundheitsamtes am 19. März hin. Er steht in diesem Jahr unter dem Motto „Prä-vention und Gesundheitsförderung“.
„Zum einen geht es dabei um die Gesundheit der einzelnen Menschen – gerade in sozial benach-teiligten Regionen und Stadtvierteln“, erläutert Dr. Gudrun Rieger-Ndakorerwa, Sprecherin des Fachausschusses „Gesundheitsberichterstattung und Prävention“ des BVÖGD. Beispiele für solche sogenannten individualpräventiven Angebote sind unter anderem Impfbusse, Besuchsdienste ge-gen Einsamkeit bei Senioren, aber auch Gesundheitskurse zu Bewegung, Ernährung und Stressre-duktion zum Beispiel in Bürgerhäusern. „Wichtig ist, dass diese Angebote wirklich niederschwellig sind – sie müssen in der Ansprache für die Zielgruppe verständlich sein und dürfen sie finanziell nicht überfordern“, betont Rieger-Ndakorerwa.
Die Kinder- und Jugendgesundheitsdienste der Gesundheitsämter haben als Schwerpunkt ihrer Arbeit die gezielte Förderung der Gesundheit von Säuglingen, Klein- und Schulkindern.
Ein weiterer wichtiger Arbeitsbereich der Gesundheitsämter bei der Prävention und Gesundheits-förderung ist die Gestaltung von gesundheitsfördernden Lebenswelten. Dazu gehört zum Beispiel der Aufbau von Begegnungsstätten, die Begrünung als Schutz vor übergroßer Sommerhitze und der Umbau von Stadtvierteln hin zu bewegungsfördernden Quartieren. Die Gesundheitsämter arbeiten bei der Planung und Umsetzung sehr eng mit anderen Partnern zusammen, zum Bei-spiel den Verwaltungen, und beraten die Politik.
„Leider sind viele Projekte in der Prävention und Gesundheitsförderung zeitlich zu sehr begrenzt“, kritisiert Dr. Johannes Nießen, Vorsitzender des BVÖGD. Gerade sozial problematische Stadtvier-tel und Regionen müssten häufig längerfristig stabilisiert werden. „Viele gesundheitsfördernde Ansätze benötigen eine dauerhafte oder zumindest langfristige Finanzierung. Da ist es oft mit einem Zwei-Jahres-Projekt nicht getan“, betont er.
BVÖGD verurteilt Fehlverhalten im Rahmen von amtsärztlichen Eignungsuntersuchungen im Gesundheitsamt
Pressemitteilung
Berlin, 19.01.2023
Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) bedauert Einzelfälle, in denen übliche amtsärztliche Untersuchungen offensichtlich in einer Form durchgeführt wurden, die von den betroffenen Frauen als entwürdigend empfunden wurden. Die Frauen beanstanden, dass sie durch einen untersuchenden Arzt ausdrücklich aufgefordert wurden, beim Freimachen des Oberkörpers auch den BH abzulegen, und dann die gesamte Untersuchung in dieser Form über sich ergehen lassen mussten.
„Wir bedauern das zutiefst. Die ärztlichen Untersuchungen im Gesundheitsamt müssen selbstverständlichen fachlichen Standards entsprechen sowie die Würde und Wünsche der Untersuchten respektieren“, betont die stellvertretende Vorsitzende des Verbandes, Dr. Kristina Böhm.
Laut dem Verband kann es bei bestimmten Untersuchungsschritten möglicherweise nötig sein, den BH kurz zu öffnen oder ein Oberteil zu lüften – zum Beispiel beim Abhören von Lunge und Herz oder einer Untersuchung der Wirbelsäule.
„Es besteht jedoch zweifellos keine fachlich begründbare Notwendigkeit, dass während des gesamten Ablaufs einer typischen körperlichen Untersuchung und Befunderhebung ein BH oder sonstiges Oberteil abgelegt werden müsste“, so Dr. Rudolf Lange, Leiter des Arbeitskreises Qualitätssicherung für das amtsärztliche Gutachtenwesen in Nordrhein-Westfalen.
Der BVÖGD erarbeitet im Augenblick Verfahrensvorschläge für Gesundheitsämter, um entwürdigende Situationen künftig auszuschließen. Dazu kann zum Beispiel gehören, dass Eignungsuntersuchungen künftig nur von einem Untersucherduo durchgeführt werden.
BVÖGD fordert Verbot von Silvesterfeuerwerk
Pressemitteilung
Berlin, 06. Dezember 2022
Ein Verbot von Silvesterfeuerwerken fordert der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD). „Silvesterfeuerwerke verursachen jedes Jahr viele vermeidbare Verletzungen und Gesundheitsstörungen“, erläuterte der Vorsitzende des Verbandes, Dr. Johannes Nießen.
Die Erfahrungen der vergangenen zwei Jahreswechsel ohne Feuerwerk sind laut dem Verband positiv: So habe es ohne Feuerwerk deutlich weniger Augenverletzungen gegeben – laut einer Umfrage der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) sind diese durch das Böllerverbot um rund 80 Prozent zurückgegangen.
Schwere Verletzungen an Silvester durch Feuerwerkskörper betreffen neben den Augen häufig die Hände – darauf haben die Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie (DGH), die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und andere hingewiesen.
Das bundesweite Verkaufsverbot von Feuerwerk senkte bei den vergangenen beiden Jahreswechseln laut der Deutschen Umwelthilfe auch die Feinstaubbelastung in der Silvesternacht deutlich. „Diese können bei AsthmatikerInnen und anderen schwere Atemwegsreizungen auslösen“, warnte die stellvertretende Vorsitzende des Verbandes, Dr. Kristina Böhm.
Der BVÖGD hat sich daher einer Initiative der Deutschen Umwelthilfe für ein generelles Verbot von Silvesterfeuerwerken angeschlossen.
Stellungnahme des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdiensts zum geplanten Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit
Stellungnahme vom 03. November 2022
Stellungnahme als PDF
Die Aufgaben des im Koalitionsvertrag 2021 verankerten Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) sind am 12.10.2022 im Bundestag konkretisiert worden, u.a. in Bezug auf die Rolle des BIÖG für den Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD).
Folgende Punkte wurden dabei herausgehoben:
- Eine Stärkung der Vorbeugemedizin und Prävention auf Bundesebene
- Eine koordinierende Rolle des künftigen BIÖG
a) eines evidenzbasierten Handelns auf Basis von Leitlinien im ÖGD
b) der Fort- und Weiterbildung, Lehre sowie Akademisierung des ÖGD
c) Software-Standards und gemeinsamer Datenpakete im ÖGD
Die geplante Einrichtung eines Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit wird seitens des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdiensts sehr begrüßt. Zu den o.g. Konkretisierungen nimmt der BVÖGD wie folgt Stellung:
- Eine Stärkung der Vorbeugemedizin und Prävention auf Bundesebene ist vonnöten und wird daher sehr unterstützt. Der ÖGD ist schon jetzt der deutschlandweit wichtigste und stärkste Akteur in den Bereichen Prävention und Gesundheitsförderung. Er ist jedoch traditionell weitestgehend föderal organisiert und entsprechend v.a. auf Länder- und kommunaler Ebene ausdifferenziert. Diese Lücke gilt es durch das BIÖG und seine entsprechende Verankerung in gesundheitsrelevanten Entscheidungsprozessen auf Ebene des Bundes zu schließen (Governance). Dabei müssen auch auf Bundesebene Strukturen für ressortübergreifende Abstimmungsprozesse für eine bessere Gesundheit etabliert werden (Health in All Policies), wie sie auf kommunaler und Länderebene bereits vielerorts u.a. in Form von Gesundheitskonferenzen aufgebaut werden
- Ein Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit kann als koordinierende Institution für den Öffentlichen Gesundheitsdienst ausgesprochen wertvoll sein. Bzgl. der Umsetzung gilt es einerseits die Aufgaben des BIÖG eng mit Bundesländern und kommunaler politischer Ebene abzustimmen. V.a. gilt es aber andererseits, die Wissensbestände, den Erfahrungsschatz sowie auch bewährte Strukturen eines in Teilen sehr ausdifferenzierten ÖGD im deutschen Gesund- heitssystem einzubeziehen.
In besonderem Maße gilt dies für die kommunale Ebene, die aufgrund ihrer Kenntnis der Gegebenheiten vor Ort und der Nähe zu den Lebenswelten und Lebensweisen der Menschen auch in Zukunft von übergeordneter Bedeutung für die Prävention und die Förderung von Gesundheit sein wird. Bzgl. der Konkretisierung dieser Koordinationsfunktion sind folgende Punkte von besonderer Bedeutung:
- Eine stärkere Evidenzbasierung im Bereich der öffentlichen Gesundheit ist dringend erforderlich. Hierfür ist einerseits eine Verwissenschaftlichung des ÖGD anzustreben, wie sie aktuell z.B. durch die Einrichtung von ÖGD-Professuren und den Aufbau einer wissenschaftlichen Fachgesellschaft für den Öffentlichen Gesundheitsdienst schon im Gange und noch zu intensivieren ist. Von größerer Bedeutung für ein leitlinienbasiertes Handeln des ÖGD ist jedoch, bzgl. wesentlicher Aufgabenbereiche zu einer Homogenisierung der landesgesetzlichen Regelungen zu kommen. Solange die landesgesetzlichen Aufträge des ÖGD derart differieren wie im Moment, ist es durchaus nachvollziehbar, dass sich auch das Handeln des ÖGD föderal und damit äußerst vielgestaltig darstellt. Der ÖGD hat vielfältige, heterogene Aufgaben, von hoheitlichen Kontroll- und Überwachungsaufgaben bis zu gestaltenden, kooperationsfördernden und gesundheitsförderlichen Aufgaben. Über den Gesundheitsschutz hinaus hat er z.B. mit seinen Aufgaben im Bereich der Kinder- und Jugendgesundheit, seiner Koordinierungsfunktion bzgl. Präventionsleistungen, der Gesundheitsberichterstattung und seinen Gesundheitskonferenzen zentrale Funktionen für die Vorbeuge- und Bevölkerungsmedizin. Alle letztgenannten Aufgaben sind jedoch föderal und dadurch ausgesprochen heterogen geregelt. Auch für sie sind Leitlinien und – als Basis dafür – homogenere gesetzliche Grundlagen dringend geboten. Das 2018 von der GMK verabschiedete Leitbild für einen modernen ÖGD kann eine wertvolle Grundlage für diesen Homogenisierungsprozess Im Rahmen des BIÖG darf es nicht zu einer Wiederholung der Fehler rund um das Präventionsgesetz kommen, die zur Folge hatten, dass dessen Umsetzung im föderalen System und speziell auf kommunaler Ebene problembehaftet blieb. Daher gilt es sich mit Landes- und kommunaler Ebene frühzeitig über gesetzliche Homogenisierungen und die zukünftige Aufgabenverteilung abzustimmen.
- Der ÖGD strebt eine weitere Professionalisierung und Verwissenschaftlichung Erste Schritte sind durch eine verstärkte ÖGD-Forschung und die Einrichtung erster universitärer ÖGD- Professuren getan. Angesichts der schon 2015 von der Leopoldina bemängelten jahrzehntelangen Parallelentwicklung von universitärer Public Health und der ÖGD-Praxis gilt es jedoch aus den gemachten Fehlern zu lernen. Das bedeutet v.a., dem Praxis-Wissenschafts- Transfer eine ebenso wichtige Bedeutung beizumessen wie dem Wissenschafts-Praxis-Transfer. Konkret ist es zwingend notwendig, auf die mannigfachen Erfahrungen und Modelle guter Praxis auf Landes- und kommunaler Ebene aufzubauen. Dies erfordert es, gewachsene Kompetenzen und Strukturen wie z.B. konzeptionell sehr aktive Landesbehörden oder die Akademie für Öffentliches Gesundheitswesen in Düsseldorf, die sich für den weit überwiegenden Teil der Bundesländer im Bereich von Fort- und Weiterbildung übergreifend etabliert hat, einzubeziehen. Auf diese Strukturen muss aufgebaut werden, statt eine Parallelstruktur auf Bundesebene zu etablieren.
- Die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie sowie aus vorhergehenden Jahrzehnten der Gesundheitsberichterstattung zeigen überdeutlich, dass in Deutschland ein eklatanter Mangel an übergeordneten Informationen und Datenverarbeitungsstrukturen herrscht. Die Homogenisierung dieser Strukturen durch bidirektional kompatible und gleichzeitig funktionale Software-Standards für alle Aufgabenbereiche des ÖGD wird daher sehr begrüßt. Um eine hohe Passgenauigkeit an die praktischen Anforderungen zu erreichen, wird aber auch hier die enge Abstimmung mit der Praxis von zentraler Bedeutung sein. Übergeordnete Good-Practice- Datenbanken am BIÖG würden darüber hinaus einerseits hohen praktischen Nutzen haben und zugleich einen Beitrag zur Leitlinien- und Evidenzbasierung im ÖGD leisten. Auch auf Ebene gemeinsamer Datenbasierung und Datennutzung wird eine bundesweite Koordinations- funktion durch das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit begrüßt. Der ÖGD setzt z.B. mit den Schuleingangsuntersuchungen die deutschlandweit wertvollste epidemiologische Er- hebung im Bereich der Kindergesundheit um. Gleiches gilt für den Infektionsschutz, in dem der ÖGD deutschlandweit Infektions- und Hygienedaten erhebt. Durch die föderale Heterogenität und unterschiedliche Datenstrukturen können u.a. diese für die öffentliche Gesundheit extrem wichtigen Informationen bisher nicht übergeordnet ausgewertet und für inhaltliche Schwer- punktsetzungen genutzt werden. Eine Koordinierungsstruktur wie das geplante BIÖG kann und sollte solche Missstände beheben.
Ärztliche Leitung für Gesundheitsämter unverzichtbar
Pressemitteilung
Berlin, 13. Oktober 2022
Gesundheitsämter sollten grundsätzlich von Fachärztinnen oder Fachärzten für Öffentliches Gesundheitswesen geleitet werden. Das betont der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD). „Schuleingangsuntersuchungen, Betreuung von psychisch Kranken und Wohnungslosen, Infektionsschutz, Impfungen und vieles mehr: Die Ämter leisten sehr vielfältige ärztliche Aufgaben. Natürlich muss daher eine Ärztin oder ein Arzt sie leiten“, betont der Vorsitzende des Verbandes, Dr. Johannes Nießen.
Die Grundlagen für die Bewältigung dieses breiten Aufgabenspektrums werden laut dem Verband in der fünfjährigen Weiterbildung zur Fachärztin oder zum Facharzt für Öffentliches Gesundheitswesen vermittelt. Deshalb sähen einige Landesgesetze aus gutem Grund für den ÖGD eine Amtsleitung nur mit der entsprechenden fachärztlichen Qualifikation vor, zum Beispiel in Hessen. Solche Regelungen sollten laut Nießen auch bundesweit gelten. Bestrebungen etwa in Berlin und anderswo, eine nichtärztliche Verwaltungsleitung einzurichten, erteilt der Leiter des Kölner Gesundheitsamtes eine klare Absage. „Das ist überhaupt keine Option“, stellt Nießen klar. Sofern in Ausnahmefällen keine geeigneten Bewerbungen für eine Amtsleitung durch Ärztinnen und Ärzte mit der entsprechenden abgeschlossenen Facharztweiterbildung zur Verfügung stünden, sollten die entsprechenden Qualifikationen nachgeholt werden.
Der BVÖGD fordert gegen den Ärztinnen- und Ärztemangel im ÖGD attraktive und langfristige Perspektiven für Bewerberinnen und Bewerber. Entscheidend sei dabei ein arztspezifischer Tarifvertrag im ÖGD, damit die Ämter im Wettbewerb um Fachkräfte mit Krankenhäusern, Praxen oder dem Medizinischen Dienst der GKV mithalten könnten – „Stichwort ‚gleiche Bezahlung für gleiche Facharztqualifikation‘“, so Nießen. Der BVÖGD-Vorsitzende lobt, dass die Kommunen mit Mitteln aus dem sogenannten Pakt für den ÖGD zusätzliches Personal einstellen könnten. „Wichtig ist aber, dass wir eine langfristige Perspektive bieten können und nicht nur befristete Verträge“, so Nießen.
Erfolgreiche Freiwilligenbörse Studis4ÖGD vor dem Abschluss
Pressemitteilung
Berlin, 22. September 2022
2.359 Studierende haben seit März 2020 die Gesundheitsämter im Rahmen des Projektes „Medis4ÖGD“ – später umbenannt in „Studis4ÖGD“ – unterstützt. 93 Gesundheitsämter in ganz Deutschland haben während der extremen Belastungen durch die Corona-Pandemie von dem Engagement der Studierenden profitiert. Ende September endet das Gemeinschaftsprojekt des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), der Bundesvertretung der Medizinstudierenden in Deutschland (bvmd) und des Bundesministeriums für Gesundheit.
„Wir waren alle beeindruckt von der enormen Hilfsbereitschaft der Studierenden, die mit großem Einsatz in den Gesundheitsämtern mitgearbeitet haben“, sagte der Vorsitzende des BVÖGD, Dr. Johannes Nießen. Neben der konkreten Arbeit vor Ort haben viele Nachwuchsärztinnen und -ärzte so auch einen Einblick in die wichtige und vielfältige Arbeit im Öffentlichen Gesundheitsdienst erhalten, betonte er.
Die Studierenden haben die Gesundheitsämter beispielsweise bei der Kontaktnachverfolgung von COVID-Patienten, dem Quarantänemanagement und der Organisation von Abstrichen unterstützt. Sie erhielten dazu einen Arbeitsvertrag, eine angemessene Vergütung und eine Online-Schulung im Vorfeld. 7.690 Studierende haben sich während der Projektlaufzeit bei der Freiwilligenbörse angemeldet. Gesundheitsämter erhielten so einen Einblick, wer sich in ihrem Einsatzgebiet engagieren wollte, und konnten die Betreffenden direkt kontaktieren.
Wissenschaftliche Fachgesellschaft für den ÖGD steht vor der Gründung
Pressemitteilung
Berlin, 15. September 2022
Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD), Dr. Johannes Nießen, hat die Gründung einer wissenschaftlichen Fachgesellschaft für den ÖGD angekündigt. Bislang nimmt der BVÖGD die berufspolitischen und die fachlichen Interessen seiner Mitglieder wahr. „Unser Vorstand ist zu der Überzeugung gelangt, dass auch der ÖGD eine eigenständige wissenschaftliche Fachgesellschaft benötigt, um den Stellenwert des öffentlichen Gesundheitswesens und der Bevölkerungsmedizin im deutschen Gesundheitssystem auch in Forschung und Lehre zu untermauern“, sagte Nießen beim wissenschaftlichen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) am 15. September 2022 in Greifswald.
Nießen lobte in diesem Zusammenhang die Arbeit der DEGAM: „Mittlerweile ist die Allgemeinmedizin an allen 38 medizinischen Fakultäten in Deutschland vertreten, 26 Leitlinien wurden bis Mitte des Jahres für den Bereich der Allgemeinmedizin entwickelt und an 61 interdisziplinären Leitlinien ist die DEGAM beteiligt“, sagte der BVÖGD-Vorsitzende. Er kündigte an, die neue Fachgesellschaft für den ÖGD werde eng mit der DEGAM zusammenarbeiten.
BVÖGD Kongress 2023
SAVE THE DATE
72. Wissenschaftlichen Kongress des BVÖGD
vom 26.04. bis 29.04.2023 in Potsdam
Der Kongress 2023 wird unter dem Motto „Der Öffentliche Gesundheitsdienst – Wichtiger denn je!“ stehen.
Zum 72. wissenschaftlichen Kongress der Bundesverbände der Ärztinnen und Ärzte sowie der Zahnärztinnen und Zahnärzte des öffentlichen Gesundheitsdienstes in Potsdam möchten wir Sie schon heute alle herzlich einladen. Der Kongress steht unter dem Motto „Der ÖGD – Wichtiger denn je!“ Dieses Motto umschreibt kurz und knapp die Erkenntnis, die sich in der Gesundheitspolitik in den letzten Jahren auf breiter Front durchgesetzt hat. Mit dem Pakt für den ÖGD wurden für den Zeitraum 2021-2026 insgesamt 4 Mrd. Euro aus Bundesmitteln für die personelle Verstärkung und digitale Verbesserungen bei den Gesundheitsämtern auf den Weg gebracht. Der Kongress in Potsdam gibt uns die Gelegenheit im gemeinsamen Austausch mit Gesundheitspolitikern aus Bund, Ländern und Kommunen sowie zwischen Wissenschaft und Praxis und innerhalb der „ÖGD-Familie“ eine Zwischenbilanz zu ziehen. Konnte der Pakt für den ÖGD die in ihn gesetzten Erwartungen bislang erfüllen? Haben die personellen Verstärkungen und digitalen Verbesserungen die Gesundheitsämter erreicht? Wie gelingt es, die notwendige Aus-, Fort- und Weiterbildung für neue Kolleginnen und Kolleginnen bereitzustellen, damit diese das notwendige bevölkerungsmedizinische Rüstzeug für eine qualifizierte Arbeit im ÖGD erhalten? Alle diese Fragen werden uns auf dem Kongress in Potsdam beschäftigen. Dabei geht es um weit mehr als um die Aufgaben und Lösungsansätze zur weiteren Bewältigung der Pandemie. Der Klimawandel und zunehmende Natur- und Umweltkatastrophen stellen auch den ÖGD vor enorme bevölkerungsmedizinische Herausforderungen. Das Programm des Kongresses, dass unsere Fachausschüsse in Abstimmung mit dem BZÖG, dem Landesverband Berlin/Brandenburg mit unserem Wissenschaftlichen Beirat zusammengestellt haben, garantiert für ein breites Spektrum der Aufgaben des ÖGD auf die Agenda kommt. Das Fachprogramm reicht vom Infektionsschutz, dem Klima- und Umweltschutz, der Psychiatrie, der Kinder- und Jugendmedizin, der Prävention und Gesundheitsförderung über die zahnmedizinische Versorgung bis hin zu den Fragen der amtsärztlichen Begutachtung.
In den Jahren 2020 und 2021 mussten wir aufgrund der Pandemie auf unsere jährlichen wissenschaftlichen Kongresse verzichten. Aber der Kongress im Mai 2022 in Magdeburg hat uns allen verdeutlicht, wie wichtig der persönliche Erfahrungsaustausch und das „Voneinander Lernen“ für eine erfolgreiche interdisziplinäre Arbeit im ÖGD ist. Daher möchten wir Sie alle einladen, in Potsdam an den Dialog von Magdeburg anzuknüpfen.
Neben dem Fachprogramm erwarten Sie eine interessante Industrieausstellung und ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm. Sie haben auch die Gelegenheit, in unmittelbarer Nähe die historischen Sehenswürdigkeiten und die landschaftlichen Schönheiten von Potsdam und Umgebung zu genießen. Potsdam ist zweifellos eine der schönsten Städte Deutschlands. Eingebunden in die reizvolle Kulturlandschaft mit ihren Schlössern und historischen Parkanlagen, die seit 1990 zum UNESCO-Welterbe gehören, empfiehlt sich die brandenburgische Landeshauptstadt als Reiseziel für unterschiedlichste Interessen und Ansprüche.
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit Ihnen im Mai 2023 in Potsdam.
Dr. Johannes Nießen
Vorsitzender BVÖGD
Dr. Ilka Gottstein
Erste Vorsitzende BZÖG
Weitere Informationen
Weitere Informationen finden Sie auf der Kongresswebseite www.bvoegd-kongress.de
Das Netzwerk ist wichtig
Pressemitteilung
Berlin, 12. September 2022
Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) steht dem Vorhaben der Politik, sogenannte Gesundheitskioske in sozial benachteiligten Regionen in Deutschland einzurichten, grundsätzlich positiv gegenüber.
„Wichtig ist aber, dass diese Einrichtungen nicht nur eng mit den Gesundheitsämtern zusammenarbeiten, sondern auch mit den übrigen Gesundheitseinrichtungen vor Ort, also den Kliniken und Praxen“, betonte der Vorsitzende des BVÖGD, Dr. Johannes Nießen. Dann könnten die Kioske als niederschwelliges Angebot mögliche Versorgungslücken ausgleichen. „Dabei sollte es auch um die Prävention gehen und darum, Hürden für bestehende Gesundheitsangebote abzubauen, zum Beispiel für Vorsorgeuntersuchungen“, so Nießen. Wichtig sei zudem, den Effekt des neuen Angebotes zu evaluieren, so der ÖGD-Experte.
Nießen weist außerdem auf die geplante Finanzierung der Angebote hin: „Wenn die Kommunen wie geplant 20 Prozent der Kosten für die Kioske übernehmen sollen, besteht möglicherweise die Gefahr, dass gerade in sozial benachteiligten Regionen die Angebote nicht oder sehr zögerlich eingeführt werden“, so der BVÖGD-Vorsitzende.
Schutz vulnerabler Gruppen für Gesundheitsämter besonders wichtig
Pressemitteilung
Berlin, 10. August 2022
Der Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) begrüßt das Stufenkonzept für die Anti-Corona-Maßnahmen des Bundesministeriums für Gesundheit und des Bundesministeriums für Justiz. „Nach rund zweieinhalb Jahren Corona-Pandemie ist es sinnvoll, in zunehmendem Maße auf die Eigenverantwortung der Bürger zu setzen“, sagte der Vorsitzende des BVÖGD, Dr. Johannes Nießen.
Das Pandemie-Konzept setze aber voraus, dass die Bundesländer Maßnahmen, die sie laut dem Infektionsschutzgesetz bei Bedarf einführen können, gegebenenfalls schnell beschließen. „Das Stufenkonzept folgt einer Winterreifen-Schneeketten-Logik“, so Nießen. Die „Winterreifen“ seien als Basismaßnahmen immer vorgeschrieben, die „Schneeketten“ nur bei hohen Inzidenzen und einer drohenden Überlastung des Gesundheitssystems sowie der kritischen Infrastruktur – „aber dann müssen die Länder schnell reagieren und die zusätzlichen ‚Schneeketten-Maßnahmen‘ rasch einführen, zum Beispiel Personenobergrenzen bei Veranstaltungen“, so der BVÖGD-Vorsitzende.
Die Gesundheitsämter in Deutschland konzentrieren sich laut dem Verband mittlerweile darauf, vulnerable Gruppen mit einem hohen Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf besonders zu schützen, also ältere oder chronisch kranke Menschen, in Einrichtungen der Pflege oder Eingliederungshilfe betreute Personen und andere. „Eine generelle Kontaktpersonennachverfolgung ist personell nicht möglich – und wegen der häufig asymptomatischen Infektionen und milden Verläufe der Erkrankung auch nicht nötig“, so Nießen. Er betonte, es sei aber wichtig, den Pandemieverlauf und die herrschenden Virusvarianten genau zu beobachten. „Entscheidend bleibt außerdem das Impfen – ab Herbst hoffentlich mit Omikron-angepassten Impfstoffen“, sagte er.
Aktuelle Stellenausschreibungen
Die Jobbörse Jobs-BVÖGD ist für alle Ärzte die eine Anstellung im öffentlichen Gesundheitsdienst suchen. Betrieben wird die Stellenbörse vom BVÖGD – Bundesverband der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes e. V. und dem bundesweiten Jobspezialisten.
Die Stellenbörse bietet attraktive Stellenangebote aus ganz Deutschland. Nutzen Sie die einfache Suchfunktion, um den Job Ihrer Wahl in dem gewünschten Bundesland und der Anstellungsform zu finden. Außerdem erhalten Sie wichtige Informationen zu den Karrieremöglichkeiten im öffentlichen Gesundheitsdienst.
Der öffentliche Gesundheitsdienst ist ein attraktiver Arbeitgeber und beschäftigt in Deutschland fast 4.000 Ärzte und Arztinnen z.B. im Gesundheitsamt. Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) ist die Organisation von Dienststellen auf der Ebene von Bund, Ländern, Kreisen und Gemeinden, die dem Schutz der Gesundheit der Gemeinschaft und des Einzelnen dienen. Die Gesundheitsämter nehmen schwerpunktmäßig die Aufgaben des Öffentlichen Gesundheitsdienstes wahr. Die Vermeidung von Erkrankungen und die Förderung der Gesundheit gehören zu den originären Arbeitsfeldern des Öffentlichen Gesundheitsdienstes. Er ist für ein weites Themenspektrum zuständig.
Ein Abschnitt des Praktischen Jahres im Gesundheitsamt
Pressemitteilung
Berlin, 04. August 2022
Medizinstudierende können neben einer Famulatur jetzt auch ein Tertial ihres Praktischen Jahres (PJ) in einer Einrichtung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) ableisten, also in den Gesundheitsämtern. Hintergrund ist eine Änderung in der Approbationsordnung für Ärzte (ÄApprO), die der Bundesrat im vergangenen Herbst beschlossen hat.
„Das ist ein sehr wichtiger und sehr richtiger Schritt, für den wir lange gekämpft haben. Wer die wichtigen und vielfältigen Aufgaben der Bevölkerungsmedizin in den Gesundheitsämtern kennt, entscheidet sich eher für eine Karriere im ÖGD“, bewertet Dr. Katharina Hüppe die neue Möglichkeit. Sie ist die zweite stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) und Leiterin des Gesundheitsamtes Hildesheim. „Die ärztlichen Aufgaben im ÖGD sind sehr breit gefächert – es geht nicht nur um die kurative Medizin, sondern auch z.B. um Begutachtung, Epidemiologie, Infektionsschutz, Prävention, Umweltmedizin und Politikberatung“, betont die Amtsärztin.
Wie wird das PJ für Medizinstudierende in ihrem Gesundheitsamt ablaufen?
„In einem Eingangsgespräch klären wir die Vorstellungen und besonderen Interessen der PJler. Davon hängt ab, in welchen Teams und Bereichen sie eingesetzt werden“, so Hüppe. Die Arbeit könne zum Beispiel eher pädiatrisch orientiert sein, dann begleiteten die Studierenden die Teams z.B. bei der Entwicklungsdiagnostik von Kindern vor Ort in Kitas, bei Elternberatungen und bei den Schuleingangsuntersuchungen.
Der Fokus könne aber auch auf psychiatrisch Erkrankten liegen oder auf der Infektiologie oder bei der Begutachtung oder oder … „Das Spektrum ist sehr vielfältig“, verspricht Hüppe.
Nach der veränderten Approbationsordnung gehören Kenntnisse des ÖGD und der Bevölkerungsmedizin künftig zum Ziel der medizinischen Ausbildung auch schon vor dem PJ und werden in den Prüfungen abgefragt. „Es gibt ein paar Dinge über den ÖGD, die jede Medizinerin und jeder Mediziner wissen sollte“, sagt Hüppe. Dazu gehörten zum Beispiel, die Surveillance meldepflichtiger Erkrankungen zu verstehen, Plausibilitätsprüfungen bei Todesbescheinigungen zu kennen und allgemein zu wissen, wie ein Gesundheitsamt arbeitet.
Studierende, die sich für ein PJ-Tertial im Gesundheitsamt interessieren, sollen sich laut dem BVÖGD beim Dekanat ihrer Hochschule melden und nachfragen, bei welchen Ämtern dies möglich ist.Über die Nachfolge Teicherts an der Verbandsspitze soll beim wissenschaftlichen Jahreskongress des BVÖGD im Mai 2022 entschieden werden.